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scheinen. In dieser Hinsicht scheint die Kenntnis des Posi-tivismus besonders wichtig 1 .
1 Es scheint an dieser Stelle notwendig, auf die Philosophie HerbertSpencers mit wenigen Worten einzugehen, obwohl eine ausführlichereBehandlung derselben aus dem Rahmen dieser Arbeit fällt. Einmal näm-lich haben die Gedanken des genannten Schriftstellers nicht eine unmittel-bar socialpolitische Spitze; ihre Bedeutung in dieser Richtung liegt vor-wiegend in der Bekämpfung des Socialismus, in welcher Eigenschaft sieunten zu erwähnen sind. Sodann fehlt Herbert Spencer eine Anhänger-schaft, welche sich unter den Geistesrichtungen des heutigen Englands etwa in der Weise des Comtistischen Positivismus als eine geschlosseneGruppe mit bestimmten politischen und socialen Forderungen hervorhöbe.Dagegen stehen die in den „First Principles" und dem ersten Bande derBiologie enthaltenen Gedanken in enger Berührung mit den philosophischenGrundlagen der in vorliegender Arbeit geschilderten Richtungen, insbeson-dere mit Carlyle und dem Positivismus. Herbert Spencers Werke habenwesentlich dazu heigetragen, die frühere mechanische und utilitarischeGesellschaftsauffassung aufzuheben. Folgende Hauptpunkte scheinen indieser Beziehung hervorzuheben: 1. Spencer ist Positivist in der Ver-neinung jeder Spekulation und der Beschränkung der Wissenschaft aufdie Ordnung gegebenen Materials; er ist demzufolge antimaterialistisch.2. Der Mittelpunkt seines Systems ist der Begriff der Entwicklung. 3. Erfafst den Begriff der organischen Entwicklung (Leben) in einer auf indi-viduelle wie sociale Organismen gleichmäfsig passenden Weise. 4. Ervertritt eine altruistische Moral. Hierüber noch folgendes:
Nach Spencer beruht alles Erkennen auf gegebenen sinnlichen Em-pfindungen, welche das Urmaterial alles geistigen Lebens sind. Durchdie Differenzierung der Empfindungsvermögen (Sinne) entsteht die Aufsen-welt, indem das Zusammenwirken mehrerer Arten von Empfindungen denMenschen zwingt, die Eindrücke zu objektivieren. Das neugeborene Kind,ähnlich wie jenes tief auf der Stufe der Organismen stehende Wesen, demzuerst die Aufsenwelt als solche erwachte, schafft durch Kombinationvon Tast- und Gesichtseindrücken den Körper und macht dadurch sub-jektive Empfindungen zu objektiven Wahrnehmungen, Objekten.
Hiermit ist der Kreis des menschlichen Erkennens erschöpft, worausunmittelbar folgt, dafs nur Körper und Bewegung Gegenstand der Kennt-nis des Menschen sein können. Keine Erscheinung, und sei sie nochso kompliziert, von der ich nicht annehmen mufs, dafs sie auf Körperund Bewegung sich zurückführen lasse, deswegen nämlich, weil ich über-