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haupt nichts anderes wahrnehmen kann. Das sogenannte Gesetz derErhaltung des Stoffes und der Bewegung ist für Spencer nichts als einanderer Ausdruck der Beschränkung der menschlichen Erkenntnis aufdas körperliche Gebiet. Die Vorstellung des Entstehens von Stoff oderBewegung aus dem Nichts, des Vergehens derselben in das Nichts, istunmöglich, weil sie Verknüpfung von Dingen wäre, die dem Gebiet desBewufstseins angehören, mit solchen, die aus demselben herausfallen.Die in der Sonnenwärme enthaltene Bewegung geht unter den mannich-fachsten Formen, als Wärme, Licht, mechanische Bewegung u. s. w., durchalle Erscheinungen des organischen wie socialen Lebens hindurch. DieSonnenwärme als Molekularbewegung bringt zuerst den chemischen Pro-zefs hervor, auf dem das Pflanzenlehen beruht, die Desoxydation derKohlensäure. Von diesem hängt weiter der umgekehrte Vorgang ab, dieOxydation der Kohle, den das Tierleben darstellt. Die ursprünglicheBewegung tritt hier in neuer Form auf, in dem Aufbau des Körpers undden Bewegungen seiner Organe, also in chemischen und mechanischenVorgängen. Plierzu sind auch die Vorgänge des Denkens und Empfindenszu rechnen, welche nicht anders als in der Form der Bewegung vor-gestellt werden können. Die eine Form der Bewegung geht in die andereüber, daher auch die geistigen Funktionen von körperlichen abhängigsind und umgekehrt, z. B. Denken ist abhängig von der Blutversorgungdes Gehirns wie umgekehrt es Ausscheidung alkalischer Phosphate durchdie Nieren hervorruft.
So ist auch das gesamte sociale Dasein, das Leben der Gesellschaft,nichts anderes als umgewandelte Sonnenwärme. Der gesellschaftlicheMensch zieht aufserdem die von der Sonne in ferner Vorzeit geleisteteArbeit in seinen Dienst und setzt durch die Kohlen Maschinen in Bewegung,die seine Organe verdoppeln. Daher müssen auch die socialen Vorgängeden gleichen Gesetzen wie die Veränderungen der organischen und anor-ganischen Natur überhaupt unterworfen sein — Gesetzen, welche, wennauch die Wissenschaft noch nicht so weit gelangt ist, sich grundsätzlichauf das Gesetz der Erhaltung von Stoff und Bewegung zurückführenlassen, weil nichts anderes als diese beiden Gegenstand der Erkenntnissein können. H. Spencer vertritt mit diesen Gedankengängen, welchenur andeutungsweise berührt werden, Ansichten, welche als durchauspositivistisch dem modernen Denken entsprechen, indem sie die mensch-liche Erkenntnis auf das Gebiet des Gegebenen beschränken. Ganz eng be-rührt sich auch H. Spencers Definition der Philosophie mit der von Comtegegebenen: Ordnung der Wahrheiten der verschiedenen Wissenschaften.
Aber Wenn Spencer einerseits mit voller Schärfe das ganze Gebiet