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2 (1890)
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gerügten Widersprüchen ausgesetzt, an denen Adam Smith ,sobald man jene Scheidung festhält, nicht leidet.

Diese Wertlehre ist nichts als ein anderer Ausdruck derphilosophischen Grundauffassung der ganzen klassischen Na-tionalökonomie, welche wir als die des abstrakten Individuumsbezeichneten. Die Menschen stehen sich als gleiche, mitgleichen Trieben ausgestattete Individuen vereinzelt gegen-über; ihr Kampf führt nicht zur Unterdrückung der Schwachen,sondern zur Ausgleichung der Interessen, der socialen Har-monie ein Zustand, welcher heute leider durch Gesetzeund Sitten, unvernünftige Überlieferung und verkehrte Er-ziehung verdunkelt ist, aber als wieder zu erreichendes Ziel vonden Weisen der Menschheit erkannt wird. In einem solchenZustande, welcher Besitz oder irgend welches Übergewichtdes einen über den andern nicht kennt, mufs in der Thatjedem das Produkt seiner Arbeit gehören und die Arbeit, beider gleichen Begabung aller, zum Wertmesser geeignet sein.

Da für diese Auffassung der Mensch nur als einzelner inBetracht kommt, so mufs ferner, wenn sich mehrere zu einerArbeit vereinigen, der Wert des Erzeugnisses gleich der Summeder Arbeitsleistungen der einzelnen Teilnehmer sein. Wenn dieSumme dessen, was sie für ihre Arbeit erhalten, geringer istals der Wert des Gesamtproduktes, so ist ihnen daher wider-rechtlich von ihrer Arbeit etwas genommen. Diese Ansicht,die Adam Smith teilt, und auf der Marx fufst, übersieht, wieder Individualismus überhaupt, dafs die vereinigte Arbeits-leistung etwas anderes ist, als die Summe der Einzelleistungen,sich von ihnen eben durch das Moment der Vereinigungunterscheidet, ähnlich wie die Summe der einzelnen Indivi-duen nicht den Begriff des überindividuellen Organismus aus-füllt. Mit Recht sagt daher Brentano a. a. 0.:In Wahrheitist das Produkt, bei dessen Herstellung der Lohnarbeiter