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2 (1890)
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an dem durch freien Vertrag hergestellten Arbeitsverhältnisbeschnitt (z. B. durch Truckgesetze u. s. w.), konnte mandie ältere Theorie soweit biegen, um mit ihr in 'Überein-stimmung zu bleiben,das nationalökonomische Gewissen"beruhigen. Wie aber, als die Forderung auftrat, auch zuGunsten des erwachsenen männlichen Arbeiters gewisse Be-schränkungen der individuellen Freiheit einzuführen eineForderung, welche mit der wachsenden, politischen Macht derArbeiter unausbleiblich war? Diesem Verlangen gegenübererweist sich die ältere Nationalökonomie als spröde, wirdvielmehr die mächtigste Waffe in der Hand der Gegner. Manmufste ihr eine andere Theorie entgegensetzen, und welchebot sich, als der festländische Socialismus, solange diegrofse Mehrzahl der Engländer noch in individualistischemDenken steckte, und zu wahrhaft socialen Anschauungennach der Art Carlyles, Comtes u. s. w. noch nicht reif war?

Dies also ist der Hauptgrund der Übernahme des deutschenund amerikanischen Socialismus, dessen Behauptung, dafs dieLage des Arbeiters hoffnungslos sei, man in Englgnd hinten-ansetzt. Der Socialismus verliert damit seine revolutionäreSpitze und wird zur Begründung gesetzgeberischer Forderungenverwendet. Ob man als Endziel die Verstaatlichung aller Pro-duktionsmittel annimmt oder verwirft, ist im Grunde hierbeigleichgültig; denn diese Forderung ist zwar für den revolutio-nären Socialismus unentbehrlich, nicht aber für den praktisch-politischen, der nahe Ziele den entfernteren voranstellt.

John Stuart Mill verkörpert am besten die bezeichneteEntwicklung, weil er zwar nicht originell, aber in seltenemGrade empfänglich für die Richtungen seiner Zeit war. Er gehtvom rein Benthamschen Standpunkt und der älteren National-ökonomie aus. Er wird mit Maurice und Carlyle persön-lich befreundet von dem Umschwünge ergriffen, der das