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2 (1890)
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System des freien Wettbewerbs und die damit gegebeneHerabdrückung der arbeitenden Klassen verdammt. Aber erwird nicht Socialist im Sinne von Engels und Marx, da er dieWichtigkeit der individuellen Freiheit und ihre Bedeutung fürden Fortschritt der unteren Klassen in der heimischen Ent-wicklung seiner Zeit zu klar vor Augen hat. Er behält soeinmal die nationalökonomischen Grundansichten seiner Jugendbei, läfst jedoch weitgehenden Eingriff des Staates in dieRechte des Einzelnen zu; ja, er ist der erste Nationalökonom,welcher die Notwendigkeit, auch erwachsene Männer unterUmständen zu schützen, verteidigt, indem er Abschaffung desSystems des freien Vertrags in Bezug auf die irischen Pächterverlangt. So von dem Socialismus stark beeinflufst, ver-dankt er nicht weniger den antiindividualistischen Rich-tungen, neben Carlyle insbesondere Comte. Nach seinerSelbstbiographie ist in dieser Richtung auch der Einflufs vonMrs. Mill bedeutend gewesen. Mill gelangt damit zu derEinsicht, dafs der Staatseingriff nicht die Hauptsache thunkönne, sondern erwartet mehr von inneren Wandlungen, welchean Stelle egoistischer wieder sociale Beweggründe in den Vor-dergrund stellen würden. Mill hat in seiner Selbstbiographievon diesen Einflüssen in klarer Weise Rechenschaft gegeben,sodafs man im stände ist, seine eigenen Worte darüber anzu-führen :

(1. Periode. Einflufs Benthams und Ricardos.)

In den Tagen der Jugendhatte ich die Möglichkeiteiner Fundamentalverbesserung in den socialen Einrichtungenso ziemlich durch die Brille der alten Nationalökonomie be-trachtet. Das Privateigentum, wie es jetzt verstanden wird,und das Erbrecht schien mir das letzte Wort der Gesetz-gebung und ich dachte nicht weiter als die aus diesen Ein-richtungen sich ergebenden Ungleichheiten durch Beseitigung

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