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2 (1890)
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bereits hierdurch die Entwicklung des gewerblichen Typusder Gesellschaft zur Zeit noch hintangehalten, so kommthierzu der Druck, welchen der weniger fortgeschrittene Ostenauf den Westen Europas ausübt. Die äufseren Verhältnisseschon zwingen die Staaten des Festlandes zur militärischenOrganisation, deren Übergewicht über die Selbständigkeit desIndividuums von Westen nach Osten zunimmt. Es entsprichtdiesem Zustande im Innern in der gleichen zunehmendenWeise ein Vertrauen in die Staatsgewalt, welche, sei sienun in den Händen eines unumschränkten Alleinherrschersoder denen eines gleich unbeschränkten Parlamentes, einedem Individuum vorbehaltene und dem Staate entzogeneSphäre nicht anerkennt. Daher mit abnehmender Civilisationwachsender Eingriff in die Freiheit des Einzelnen, welchenman damit rechtfertigt, dafs er für das Wohl der Gemein-schaft stattfinde. Alle solche Versuche, die socialen Schädenzu heben, halten sich thatsächlieh nur an äufserliche Symp-tome. Es liegt ihnen die unwissenschaftliche Denkweise zuGrunde, welche die Gesellschaft mechanisch statt organisch> fafst, den notwendigen Zusammenhang aller Teile des Or-

ganismus und die Einheitlichkeit seiner Entwicklung über-sieht.

Das vollendetste Beispiel dafür, wie derkämpfendeTypus" in den heutigen Übergangszuständen sich auch diebürgerlichen Beziehungen der einzelnen Gesellschaftsgliederunterwirft, erblickt Spencer in demStaatssocialismus desFürsten Bismarck", in welchem die Mehrzahl der oberen,nicht aber die der arbeitenden Klasse die Lösung der socia-len Schwierigkeiten erblicke. Derselbe ist nur dort denkbar,\ wo auch die bürgerlichen Verhältnisse militärisch organisiert

sind, eine Beamtenhierarchie sich über dem gewerblichen Le-ben aufbaut und anordnend, bald fördernd und bald hindernd,

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