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Arbeiterstadt Saltaire das bekannteste Beispiel. Schon dasÄufsere dieser Stadt von einer Anhöhe der Nachbarschaft ausbetrachtet, die riesigen, hochschlotigen Fabrikgebäude unddaneben die niedrigen Arbeiterhäuser, erinnern an das vonder Ansiedelung der Hintersassen umgebene Schlots des Guts-herrn. Dai's diese Ähnlichkeit jedoch nur eine äufserliehe ist,drängt sich dem Beschauer dann auf, wenn ihm weit von derStadt und unberührt von dem Bauch der Fabrik auf einemfernen Hügel der parkumgehene Wohnsitz des Fabrikherrngezeigt wird: die Interessengemeinschaft, welche zwischenGutsherrn und Hörigen bestand, ist aufgelöst.
Äufserlich ist Saltaire wohl das glänzendste, was auf demGebiete der Fürsorge für den Arbeiter je geleistet wordenist. Aufser den Arbeiterhäusern zeigt man ein Theater, fürwelches von Sir Titus 25000 £ verausgabt worden sind, einKlubhaus mit einem Museum für Völkerkunde und einem Maler-und Bildhaueratelier, Kirchen und Schulen, ein gedecktesSchwimmbad, einen grofsen Park mit Spielplätzen. Auf demFlusse stehen Ruderboote, ja sogar ein kleines Dampfschiffzur Verfügung. In der Kirche ist dem Gründer der Stadteine Marmorstatue von den Arbeitern errichtet.
Bei dem äufseren Glänze treten die Schattenseiten derAnlage für den flüchtigen Beschauer zurück; erst Gesprächemit den Einwohnern belehren, dafs es sich hier um eine An-lage handelt, welche Wohlthaten nur gegen den Verkauf derFreiheit gewährt. Die Lage der Arbeiter in Saltaire ist da-durch bestimmt, dafs sämtliche Arbeiterhäuser im Eigentumdes Unternehmers stehen. Auf einem bis dahin der Land-wirtschaft dienenden Grundstücke hat Anfang der fünfzigerJahre Sir Titus die für etwa 4000 Einwohner bestimmtenWohngebäude errichtet und seitdem ist die Firma dem Grund-satze treu gehlieben, jeden Kaufantrag seitens der Arbeiter