— 193 —
abzulehnen. Die Folge hiervon ist, dafs sie jede ihr mifs-liebige Persönlichkeit aus Saltaire entfernen kann, dafs daherirgend welche Organisierungsversuche der Arbeiter ausge-schlossen sind. So lange Sir Titus , der wohlwollende Fabrik-patriarch, an der Spitze des Unternehmens stand, machte sichdie Abhängigkeit, sowohl wirtschaftliche wie politische, denArbeitern wenig fühlbar. Seine weniger wohlwollenden Ge-schäftsnachfolger aber konnten der Versuchung nicht wider-stehen, die Abhängigkeit der Arbeiter 'sich zu Nutze zumachen. Dies geschah durch Ilerabdrückung der Löhne,welche niederer als die in der Nachbarschaft bezahlten sind.Die Arbeiter waren dem gegenüber machtlos; nur die jüngerenunter ihnen versuchten, nicht ohne Billigung seitens der übrigen,Widerstand. So ist auch Saltaire von Arbeitseinstellungennicht verschont geblieben, welche aber immer mit der Unter-werfung der Arbeiter unter die einseitig aufgestellten Arbeits-bedingungen endigten; die Führer dieser Bewegungen wurdeneinfach aus der Stadt entfernt. Auch beginnen heute jene dieSelbstverwaltung seitens der Arbeiter verschmähenden Grün-dungen des Sir Titus zu verfallen, nachdem das persönlicheInteresse seitens der Fabrikleitung geschwunden ist. DasBadehaus steht bereits geschlossen und unbenutzt, das Institut,d. h. die höhere Sehulanstalt erstickt unter Schuldenlast undgeht demselben Schicksal entgegen; selbst für die Kirche,welche ebenfalls nicht genügend fundiert ist, fürchtet man.
Ähnliche Anlagen wie Saltaire, Beispiele des sogenanntenCottagesystems, sind zahlreich in ganz England . Bei ihnenfinden sich äufserlieh die glänzendsten Wohlfahrtseinrichtungen,während thatsächlich ein veralteter Typus der Arbeiterfürsorgein ihnen fortlebt. Bezeichnend für sie ist, dafs die Arbeit-geber die Aufnahme in die Zahl ihrer begünstigten Arbeitervon der Nichtzugehörigkeit zu Gewerkvereinen abhängig
v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. II. 13