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neuer Kraft auflebte und seitdem der kräftigste aller eng-lischen Gewerkvereine wurde.
Die gröfste Gefahr aber drohte den Gewerkvereinen zuzu Anfang der sechziger Jahre. Seitens einiger Sheffielder Gewerkvereine waren unter der Leitung eines gewissenBroadhead eine Reihe verbrecherischer Einschüchterungsver-suche gegen Nicht-Gewerkvereinsarbeiter unternommen wor-den. Die öffentliche Meinung sah in diesen Verbrechen dasErzeugnis gewerkvereinlichen Geistes überhaupt. Die That-sache war, dafs die Arbeiterzustände der Sheffielder Gewerbeganz exceptionelle waren — wurde doch die grofse Mehrzahlihrer Arbeiter nicht älter als 30 oder 32 Jahre, in ein-zelnen Gewerben nicht älter als 28 1 — während anderer-seits diese Gewerbe aus eigentümlichen, unten zu erwähnen-den Gründen einer starken Organisierung der Arbeiter ganzbesondere Schwierigkeiten in den Weg setzen. Diese aus-nahmsweisen Verhältnisse hatten den Anlafs zu jenen Ver-brechen gegeben. Man sprach in Presse wie Parlament offendie Ansicht aus, dafs die Sheffielder Vorfälle eine Verschär-fung der Gesetzgebung und Unterdrückung der Koalitionenverlangten.
Die Haupteinwände gegen die Gewerkvereine, durchwelche die Arbeitgeberpartei ihrer Feindschaft ein theoreti-sches Gewand gab, waren immer noch die, dafs sie die Frei-heit des einzelnen Arbeiters beschränkten und in die natür-liche Regelung des Arbeitsmarktes durch Nachfrage und An-gebot künstlich eingriffen. Wenn von den 800000 industriel-len Arbeitern des Landes etwa 530000 diesen Vereinen an-gehörten, so sei dies ein Zustand weitgehender Tyrannei,den der Gesetzgeber nicht dulden dürfe.
1 Vergl. Brentano, Arbeitergilden I, S. 284.