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2 (1890)
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alle Fragen durch friedliche Verhandlungen zwischen dembestehenden starken Gewerkverein und den Arbeitgebernentschieden worden seien 1 . Andere weisen darauf hin, dafsAusstände, durch welche sie geschädigt worden seien, des-wegen ausgebrochen waren, weil die betreffenden Vereine derArbeiter zu schwach organisiert und die Führer nicht in derLage gewesen seien, den unverständigen Massen Halt zu ge-bieten. Auch werden Gewerkvereinler als die besseren Ar-beiter gegenüber Nichtgewerkvereinlern bezeichnet. Danebenaber machten sich auf der anderen Seite noch die früherenAuffassungen vernehmbar. Es sei für den Arbeitgeber einunwürdiges Verhältnis, mit dem Arbeiter zu verhandeln, un-richtig, ihnen masse" zu behandeln. Das wünschenswertesei ein persönliches Verhältnis zwischen dem Arbeitgeber unddem einzelnen Arbeiter und dieses hätten die Gewerkvereinezerschnitten.

Die Untersuchungen der Kommission von 18671869waren aufserordentlich eingehend; ihre Ergebnisse sind insechzehn Bänden enthalten und durch das Buch Brentanosin Deutschland bekannt geworden. Sie waren den Gewerk-vereinen günstig und bewiesen, dafs die vorgekommenen Aus-schreitungen auf wenige und meist unbedeutende Vereine be-schränkt geblieben waren. Auch zeigte sich, dafs das Ver-hältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter dort, wo keineKoalitionen bestünden, zwar nicht friedlicher, wohl aberfür den Arbeiter schlechter, ja stellenweise hoffnungslossei. Die Folge dieses Ergebnisses waren Anträge aufLegalisierung der Gewerkvereine und, nunmehr von vielenund bedeutenden Arbeitgebern unterstützt, die Gesetzgebungvon 18711876. Die Stimmung des Parlamentes war in

1 Vergl. Hansarcls Deliates. Tliird Series. Vol. 205, S. 813.