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2 (1890)
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das europäische Festland später der indischen, japanischenund chinesischen Konkurrenz zu unterliegen hätte.

Solche Behauptungen haben nicht gefehlt. Auf demFestlande sind in Kreisen der Arbeitgeber wiederholt Stimmenlaut geworden, welche die Erstarkung der eigenen Industriegegenüber der englischen Konkurrenz der Entwicklung derenglischen Gewerkvereine zuschreiben. Man hält dies alswarnendes Beispiel sowohl den eigenen Arbeitern wie denheimischen Gesetzgebern vor. Die Ansicht der Arbeitgeberaber teilen die Gründer der Socialdemokratie des Festlandes.Auch nach ihnen ist das Lebensminimum das natürlicheGeschick des Arbeiters unter der heutigen Produktionsform;alle Versuche, sich darüber hinaus zu heben, sind zum Fehl-schlagen verdammt. Das Urteil beider aber ist nicht unver-dächtig, denn beide haben aus entgegengesetzten Gründen einInteresse daran, den Arbeiter an das Lebensminimum zu fesseln.

Demgegenüber fragen wir die Thatsachen, welche Wir-kung hat die Verbesserung der Lage des Arbeiters, wie siein Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit zumAusdruck kommt? Es ist klar, dafs sie alle andern Um-stände gleich angenommen zunächst eine Verteuerung desArbeiters bedeutet; als eine Verminderung des augenblick-lichen Gewinns wird sie sich stets unter dem Widerstandedes Unternehmers vollziehen. Es kommt jedoch hier daraufan, festzustellen, dafs neben der Verteuerung des Ar-beiters ein Prozefs der Verbilligung der Arbeit hergeht;der in einer bestimmten Menge wirtschaftlicher Güter auf dieArbeit kommende Betrag strebt nach einem in der ganzenWelt ungefähr gleichen Durchschnitt, obgleich die Löhneaufserordentlich verschieden sein mögen. Ja bei den fort-geschrittensten Grofsindustrien können bei Verteuerung des

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