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2 (1890)
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Arbeiters die Kosten der Arbeit sogar eine umgekehrte Be-wegung zeigen.

Die Löhne des Arbeiters sind höher bei der zum Grofs-betriebe übergegangenen englischen oder amerikanischen In-dustrie als bei der im allgemeinen noch auf dem Übergangevom Kleinbetriebe zum Grofsbetriebe stehenden deutschen 1 ,ohne dafs die Kosten der Arbeit wesentlich verschieden sind.Natürlich kann die bezeichnete Thatsache den Arbeitgeber imeinzelnen Fall nicht verhindern, sich den Forderungen der Ar-beiter zu widersetzen. Denn sie berührt den einzelnen nicht,sondern vollzieht sich allmählich und für die Industrie einesLandes im ganzen. Trotzdem ist sie von grofser Wichtigkeit.Denn wenn die Verteuerung des Arbeiters im Laufe der Ent-wicklung eine Verteuerung der Arbeit nicht mit sich geführthat, wird die Erhöhung der Lebenshaltung, welche der eng-lische Arbeiter errungen hat, nicht mehr ernstlich gefährdetwerden können. Wir führen zunächst einige Beispiele zurErläuterung des behaupteten Verhältnisses an, um sodann aufdie Gründe einzugehen.

Es ist das Verdienst des Lord Thomas Brassey , die Er-fahrungen seines Vaters auf diesem Gebiet dem weiterenPublikum zugänglich gemacht zu haben. In seinem WerkeWork and Wages" 2 hat Lord Thomas Brassey das die Lohn-

1 In Deutschland waren 1882 selbst in der Textilindustrie noch42 % aller Arbeiter (233 165 von 561 248) im Kleinbetriebe, d. b. inGruppen von unter fünf Personen beschäftigt. Diese Thatsache wird oftvergessen bei Beurteilung der socialen Verhältnisse Deutschlands. Deutsch-land ist noch auf lange im Übergangszeitalter; seine Arbeiterverhältnissekönnen infolge dessen denen der zum vollen Grofsbetriebe übergegangenenLänder noch nicht gleichen.

2 Work and Wages. London, Bell & Daldy, 1872. Vergl. auchBrentano , Über das Verhältnis von Arbeitslohn und Arbeitszeit zur Ar-beitsleistung, Leipzig 1876 und Über die Leistungen der Grundarbeiter,