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2 (1890)
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der gewaltsame Geist, der früher zu den schlimmsten Aus-schreitungen geführt hatte, auszusterben begann.

Unzufrieden waren mit der bezeichneten Entwicklungeinmal die Revolutionäre, welche die Unzufriedenheit derMassen brauchten. Ein Arbeiter, der auf Mittel sinnt, bessereArbeitsbedingungen zu erzwingen und darin Erfolg gehabthat, merkt bald, dafs die Zukunftsträume jener es nicht sind,die ihm den Kochtopf füllen. Vielleicht benutzt er sie nochdazu sich Abends neben Bier und Branntwein an ihnen zuberauschen; aber am Tage denkt er an praktischere Mittelsich zu helfen. Hierauf beruht bereits der von Brentano her-vorgehobene Gegensatz zwischen Gewerkvereinen und Char-tisten, der sich in der Feindschaft zwischen den ersteren unddem revolutionären Socialismus fortsetzt.

Unzufrieden waren andererseits mit der bezeichnetenEntwicklung auch die Arbeitgeber. Waren sie doch allge-mein aus alter Zeit noch gewöhnt, eine wenigstens mo-ralische Verpflichtung des Arbeiters zur Arbeit anzunehmen,wie sie der früheren (Elisabethischen) Regelung der gewerb-lichen Verhältnisse entsprach, bei der aber die Pflicht zurArbeit durch ein Recht auf Arbeit und Unterhalt ergänztwurde. Noch betrachteten die Arbeitgeber die Weigerung derArbeiter zu arbeiten als Auflehnung. Jene Gewerkvereinewurden daher bei ihrer Entstehung als hochverräterisch undgesellschaftsfeindlich gebrandmarkt. Besonders bezeichnendaber für die Stellung der Arbeitgeber war ihre Weigerung,über die von den Arbeitern gestellten Bedingungen mit ihnenzu verhandeln. Durch die Organisation der Arbeiter wurdendie englischen Arbeitgeber gezwungen, sich in ähnlichen Ver-einen zusammenzuschliefsen. Sie versuchten die Ausständemit Ausschliefsungen der daran beteiligten Arbeiter zu be-kämpfen. Indem die Arbeiter sich nicht mehr machtlos zur