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industrie waren, welche Arbeitgehern und Arbeitern früherals anderwärts die Notwendigkeit friedlicher Methoden nahelegten. Die Geschichte der Gründung der NottinghamerEinigungskammer ist bekannt. Wir heben nur die Punktehervor, in denen sie vorbildlich für derartige Versuche über-haupt ist.
1. Die Verhältnisse in Nottingham litten, wie gesagt,mehr als andere an einem scharf ausgeprägten Klassengegen-satz ; Gewaltthaten waren bei Arbeitsstreitigkeiten häufig.Die Arbeitgeber weigerten sich, den Gewerkverein anzu-erkennen, und da infolgedessen Verhandlungen unmöglichwaren, so bestand bei jeder verlangten Veränderung desArbeiterverhältnisses wie der Löhne ein System des gegen-seitigen Aushungerns, das für beide Seiten mit schwerstenVerlusten verbunden war. Im Jahre 1860 tobten die Kämpfebesonders heftig; die Arbeitgeber gingen damit um, sämt-liche Arbeiter auszusperi-en. Da war es Mundella und einigeandere, welche den Vorschlag machten, die durch eine solcheMafsregel herbeigeführten Verluste zu vermeiden durch per-sönliche Besprechung mit den Arbeitern. „Wir gingen", er-zählt Mundella, „wir erniedrigten uns, wie einige sich aus-drückten. Wir sagten zu den Arbeitern: „Wir wollen miteuch sprechen und sehen, ob wir nicht ein besseres Systemausfindig machen können. Ihr gebt jeder von euch 1 Shillingbis 1 Shilling 6 Pence die Woche aus, um uns zu be-kämpfen. Lafst uns versuchen festzustellen, was die Preisesein sollen"." Das Ergebnis dieser Verhandlungen war dieNottinghamer Einigungskammer, welche zur Entscheidungaller zwischen Arbeitern und Arbeitgebern entstehenden Strei-tigkeiten aus Vertretern beider Seiten zu gleichen Teilen ge-bildet wurde. Im Falle der Stimmengleichheit hatte die Ent-