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2 (1890)
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Scheidung ursprünglich der Vorsitzende, später ein von Jahrzu Jahr gewählter Unparteiischer.

Das gesagte beweist, dafs es nicht ein besonders gün-stiges Verhältnis zu den Arbeitern war, welches den Ar-beitgebern ermöglichte, auf den Boden der Verhandlungenhinabzusteigen, auch nicht das Gefühl der Interessengemein-schaft, sondern vielmehr ein sehr ausgebildeter Gegensatz,welcher aus Rücksicht auf die Produktionskosten in friedlicheFormen gegossen wurde. Erst allmählich lernten dann dieArbeiter durch die Gewohnheit der Verhandlungen, die ihrenForderungen gesetzten Grenzen erkennen, welche vom Standeder Industrie und dem ausländischen Mitbewerb abhängen.

2. Wollte man auf dem Wege der Verhandlung vor-gehen, so mufste man den bisher bekämpften Gewerkvereinanerkennen. Ohne Organisation der Arbeiter ist wenigstensdie friedliche Festsetzung derjenigen Fragen, welche künftigeArbeitsbedingungen betreifen, unmöglich. Auch machte manhierbei bald die seitdem oft wiederholte Erfahrung, dafs ge-rade die Führer der Arbeiterorganisationen, weil die einsich-tigsten, auch die gemäfsigtsten sind. Mundella sagt hierüber:Gerade die Leute, welche die Fabrikanten am meisten fürch-teten, wurden als Vertreter der Arbeiter in die Kammer ge-schickt. Wir fanden in ihnen die geradsinnigsten Leute, diewir nur zur Verhandlung hätten wünschen können. Oftmalserfuhren vir, dafs die Macht hinter ihnen zu stark gewesenist; aber sie sind gewöhnlich die einsichtigsten Arbeiter; oftunter grofsem Druck von aufsen leisten sie Widerstand. Siesind die beste Schutzmauer, die wir haben, zwischen den un-wissenden Arbeitern und uns selbst 1 ."

3. Dafs die zu entscheidenden Fragen verschiedener Art

1 Angefahrt bei Henry Crompton, Industrial Conciliation. London 1876.