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2 (1890)
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teten nicht mehr diesen Entscheid, sondern zahlten weit ge-ringere Löhne. Der Gewerkverein war nicht mehr stark ge-nug, jene Fabriken zum Stillstand zu bringen. Damit aberwar ein Loch in die bestehende Organisation gerissen. Auchdie besser gesinnten Arbeitgeber folgten unter dem Drucke derKonkurrenz. Die Liste, nach welcher bisher die Löhne bezahltwurden, ward aufgegeben und die alte Erbitterung des Kam-pfes, welche längst in Nottingham erloschen schien, ward wie-der angefacht; wieder, wie vor Jahrzehnten, drohten dieArbeitgeber ihren Arbeitern mit Entlassung, wenn sie demGewerkverein beiträten. Trotzdem aber hatte das zwanzig-jährige Bestehen der Einigungskammer den Erfolg gehabt,Arbeitern wie Arbeitgebern den Wert dieser Einrichtung zulehren und, wie Mundella dem Prof. Brentano im März 1890mitteilte, ist die Wiedererrichtung derselben gelungen.

Die Gründe des zeitweisen Scheiterns der NottinghamerEinigungskammer lassen sich aufser auf den Niedergang derIndustrie darauf zurückführen, dafs das Gewerbe dem Wechselder Mode in hohem Mafse ausgesetzt ist und das Strebender einzelnen Fabrikanten, sich durch Neuheiten zu über-treffen, zum Geheimhalten der Muster führt. Diese Um-stände sind schwer verträglich mit einer einheitlichen Fest-setzung der künftigen Arbeitsbedingungen, worin der Haupt-zweck jeder Einigungskammer besteht. Schon in den sechzigerJahren umfafsten die vereinbarten Listen die Löhne von mehrals 6000 verschiedenen Artikeln. Das Gesagte beweist, wieeng die Möglichkeit einer Einigungskammer und die Formendes Verfahrens mit der Natur und dem Stande der betreffen-den Industrie zusammenhängen 1 .

1 Yergl. näheres über die Nottinghamer Einigungskanimer Brentano,Das Arbeitsverhältnis gemäfs dem heutigen Recht S. 273 ff.; Arbeitergildender Gegenwart II, S. 273 ff.; Crompton, Industrial Conciliation S. 33 ff.