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2 (1890)
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Ähnliches gilt von der Wollweberei, welche ihren Sitzin der Grafschaft York, besonders in Bradford und Hudders-field hat. Obgleich die älteste Industrie Englands , ist sie,weil zahlreichen Schwankungen der Mode und des auslän-dischen Mitbewerbs unterworfen, ferner weil fast 70 Prozentaller Arbeiter Frauen sind, noch wenig organisiert. Aller-dings beginnt sich in letzter Zeit der Gewerkverein der Woll-färber zu rühren; Lady Dilke ist eifrig daran, die Arbeiterin-nen zu organisieren; aber im allgemeinen liegen die Verhält-nisse hier wie in Lancashire vor fünfzig Jahren. Die Arbei-ter werden nach Listen bezahlt, welche jeder Arbeitgeber fürseine Fabrik nach Gutdünken aufstellt. Ihre Lebenslage istunsicher und elend.

Trotzdem hat auch in diesem Gewerbe bereits eingröfseres Schiedsgericht stattgefunden, als die Arbeiter 1880Lohnerhöhung verlangten. Es erfolgte ein langdauernder Aus-stand, bis die Arbeitgeber auf ein Schiedsgericht eingingen.Sir Henry Mitchell, einer der gröfsten Kaufleute Bradfords,war Schiedsrichter; er erkannte den Arbeitern eine Lohnauf-besserung zu.

Wenn in den beiden genannten Industrien die Klassen-gegensätze noch grofs sind, so beruht dies auf tieferliegendenGründen. Es ist nicht zu erwarten, dafs sich in naher Zu-kunft in ihnen ähnliche Verhältnisse entwickeln, wie sie diegrofse Stapelindustrie Lancashires zeigt. Einzelne wohl-wollende Arbeitgeber können wenig zu ihrer Besserung bei-tragen. Dieselbe liegt auf einem ganz anderen Gebiet. Dieschlechte Lage der Arbeit in ihnen ist dadurch bedingt, dafsbeide einer launischen und wechselnden Nachfrage unterwor-fen sind, wie alle Gewerbe, die hauptsächlich für die Bedürf-nisse des Luxus arbeiten. Erst eine gleichmäfsigere Ver-teilung des Volkseinkommens würde hier der Nachfrage jenen