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schneidung der Löhne sich einen Platz zu erobern suchen.In der That sind solche kleine Unternehmer die einzigenFeinde der Listen, mit denen der gröfsere Arbeitgeber wieder Arbeiter wohl zufrieden ist.
Während die Listen gewissem!afsen das Knochengerüstder Löhnung bilden, hängt die um dasselbe sich ansetzendeMuskulatur von dem zuströmenden Blute, d. h. dem der In-dustrie erwachsenden Gewinne ab. Der Durchschnittsgewinnder Unternehmer regelt die Lohnhöhe; er ist seinerseits voneiner Reihe verschiedener Umstände abhängig. Dort nun,wo unter diesen einer von ausschlaggebender Wichtigkeit ist,wie z. B. in der Kohlenindustrie der Preis der Kohle, ist esmöglich, die Löhne um den angenommenen Normallohn, ent-sprechend diesem Preise, auf- und niedergleiten zu lassen(gleitende Lohnskala). In der Baumwollenindustrie dagegenhängt die Höhe des Gewinnes von einer ganzen Reihe gleichwichtiger Faktoren ab: 1. Preis des Rohmaterials, 2. Preisdes Produktes, Garnes resp. Gewebes, 3. Kosten der Kohle,der Maschinerie u. s. w. Von diesen liefse sich bei der Ver-schiedenheit der verkauften Produkte für 2. nur schwierigein Durchschnitt berechnen, welcher eine genügende Grund-lage für die gleitende Skala abgäbe. Hierzu kommt, dafsschon jetzt die Berechnung der Löhne auf Grund der Listenverwickelt genug ist und weitere Komplikationen unmöglicherscheinen. Die Folge hiervon ist, dafs — obgleich der Gedankeangeregt wurde — weder Arbeiter noch Arbeitgeber die Auf-stellung einer gleitenden Skala je ernstlich in das Auge fafsten.
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Trotzdem ist es nicht minder wahr, dafs auch in derBaumwollenindustrie die den Gewinn des Unternehmers be-stimmenden Faktoren die Höhe des Lohnes regeln. Die Be-amten der Arbeitervereine haben heute gelernt, die Bewegungdieser Faktoren genau zu verfolgen, insbesondere die Preis-