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ergösse. Freilich nicht immer werden die Arbeiter solchenWarnungen Folge leisten. Insbesondere fällt es dem Unge-bildeten schwer, Verminderungen des Lohnes freiwillig übersich ergehen zu lassen; er ist nur zu geneigt, dagegen, undzwar gewöhnlich vergeblich, anzukämpfen. Denn wie micheiner jener Arbeiterführer versicherte, sei es ebenso selten,dafs man mit Erfolg gegen eine geforderte Lohnverkürzungsich wehren könne, wie ein klug und zur rechten Zeit unter-nommener Ausstand für Lohnerhöhung fast immer gelänge.Die sich unter den Arbeitern verbreitende Einsicht in denStand ihres Gewerbes aber wird die Zahl aussichtsloser Kämpfeimmer mehr vermindern; war es doch aber gerade der ver-zweifelte Widerstand gegen notwendige Lohnherabsetzungen,an welchen die Geschichte der Industrie die Erinnerung desgröfsten Elendes und der tiefsten Erbitterung anknüpft.
Trotzdem werden immer Forderungen bleiben, welchedie andere Seite anzunehmen sich nicht in der Lage glaubt.In ganz Lancashire ist es allgemein anerkannter Grundsatz,solche Fragen, welche ihrer Natur nach meist „Lohnfragen"sind und, wie gezeigt, in einer Prozentbezeichnung aus-gedrückt werden, zunächst zum Gegenstande friedlicher Ver-handlungen zu machen. Das Wichtigste aber bei diesemVerfahren ist, dafs während der Verhandlungen die Arbeitnicht einen Tag ruht, vielmehr, wenn nötig, dem Endergebnisdesselben rückwirkende Kraft beigelegt wird. Der Grundhiervon ist die Einsicht, dafs ein Stillstand der Arbeit dieIndustrie und damit beide beteiligte Parteien schädigt unddem ausländischen Mitbewerber nützt.
Die Organisation der Arbeitgeber war nun bis in diejüngste Zeit hinein nicht soweit vorgeschritten, dafs Lohn-fragen für die gesamte Industrie einheitlich verhandelt undentschieden werden konnten. Vielmehr bestanden eine Reihe