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2 (1890)
Seite
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lieh werden die Arbeiter nicht Vertrauen in die Unparteilich-keit des Schiedsrichters gewinnen, welcher gewöhnlich denoberen Klassen angehört. Andererseits werden die Arbeitgeberes unter ihrer Würde halten, ihr Verhältnis zu den Arbeiternvon einem Dritten bestimmen zu lassen. Dafs in der Thatdieser Zustand des Friedens einen grofsen Teil der englischenIndustrie beherrscht, beweisen die Verhandlungen vor denSchiedsrichtern in fast allen Gewerben.

Wenn man bedenkt, dafs es sich für beide Parteien umdie wichtigsten Interessen, für den Arbeiter um ein Brotw r eniger oder nicht, vielleicht daheim um hungernde Kinder,für den Arbeitgeber oft um geschäftlichen Ruin handelt, so istder Ton der Höflichkeit, in dem diese Verhandlungen geführtwerden, bewunderungswürdig. Jede Seite scheint dadurch anden Tag' legen zu wollen, dafs der Meinungsverschiedenheit,in der sie sich gegenüber der anderen Seite befindet, wirt-schaftliche Gründe, keine persönlichen zu Grunde liegen. Soerklären z. B. die Arbeitgeber vor Sir Rupert Kettle 1875:Unsere Bergleute bilden sowohl körperlich wie geistig einenhöchst fortgeschrittenen Typus der Menschheit, aus dem einigeunserer begabtesten Erfinder und Gesetzgeber hervorgegangensind. Aus ihren Reihen sind heute mit grofsem Geschick einigeder fähigsten Sachwalter auserwählt worden, w T elche je eineGruppe von Menschen zu vertreten haben" ähnlich wieetwa ein Advokat die Fähigkeit seines Gegners hervorhebt.Der Schiedsrichter bezeugte in seinem Gutachten damals, dafsdie Verhandlungen vom ersten bis zum letzten Wort in einemdurchaus freundschaftlichen Tone geführt worden seien. LordHerschell gar sagte wenige Jahre später, dafs siein besseremGeiste und in fähigerer Weise gar nicht hätten geführt wer-den können". Auch die Arbeiter, welche zu hitzigen Wortenwohl eher geneigt sind, bemühen sich den Ton gegenseitigen