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2 (1890)
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Entscheidung abzulenken. Es ist aber nicht zu vergessen, dai'ses sich heim Preise der Arbeit um den Preis eines wirtschaftlichenGutes handelt, welcher in derselben Weise wie jeder solche Preisfestgestellt wird. Es liegt ein Lieferungsgeschäft vor, indem dieWare Arbeit zu einem heute bestimmten Preise für eine gewisse,zukünftige Zeitdauer verkauft wird 1 , ganz nach der Art wiederartige Geschäfte alltäglich auf der Börse abgeschlossenwerden, daher ihm auch eine Fristbestimmung, innerhalb derender Schiedsspruch gelten soll, bezw. eine Kündigungsfrist eigen-tümlich ist. Der Schiedsrichter, wie jeder dritte zur Preis-feststellung zwischen zwei unabhängigen Parteien berufene, hatlediglich das zu ermitteln, was, wenn er nicht einträte, siehals natürliche Höhe des Preises feststellen würde. Da erden Kampf zu vermeiden berufen ist, so hat er die Funktiondes Kampfes, die Feststellung der gegenseitigen Machtverhält-nisse verstandesgemäfs zu erfüllen. Nur wo er das gethan,ist er sicher, dafs sein Spruch sich als lebensfähig erweist.Wo er dagegen jenen taktischen Argumenten der ParteienGewicht beimifst, ist eine dauerhafte und gesunde Lohn-regelung unmöglich. So z. B. wies Lord Herschell einmal dieArbeitgeber ab, weil sie nicht nachweisen konnten, dafs sieschlechter als ihre Konkurrenten daran seien. Da sie aberaugenblicklich in der Lage waren, die geforderte Lohnherab-setzung zu erzwingen, so konnte sein Spruch nicht von Be-stand sein; vielmehr mufsten die Arbeitgeber das, wozu siedie Macht hatten, sich bald auf anderem Wege zu verschaffenversuchen.

Daher warnt David Dale die Schiedsrichter, sich durchGefühle leiten zu lassen; auch Spence Watson spricht sich

1 Wir brauchen den AusdruckKauf" der Arbeit, um anzudeuten,dafs der Vorgang wirtschaftlich nicht vom Kauf eines anderen Produktions-mittels verschieden ist. Juristisch hegt natürlich Miete vor.