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2 (1890)
Seite
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dahin aus, dafs, so schwer es sei, er als der Schiedsrichternicht davor zurückschrecken dürfe, unter Umständen die Le-benshaltung der Arbeiter herabzudrücken, ja vielleicht Notund Elend über eine ganze Bevölkerung zu verhängen. Ausdemselben Gesichtspunkte erklärt sich die Ansicht DavidDales, dafs das zu gewährende Minimum des Lohnes bei ge-lernter Arbeit eher niedriger sei, als bei weniger gelernter;denn die erstere könne die Industrie viel schwieriger ver-lassen. Dagegen sei Anträgen gelernter Arbeiter auf Lohn-erhöhung um deswillen bereitwillig Folge zu geben und dasvon ihnen zu erreichende Maximum ein fast unbegrenztes,weil die Arbeitgeber bei steigender Bewegung des Marktesund Gewinnes von jenen durchaus abhängig seien.

Aus den angegebenen Gründen ist der von Marshallund I'rice 1 aufgestellten Ansicht entgegenzutreten, dafs eseinenrichtigen" d. h. gewissermafsen aprioristisch feststehen-den Lohnsatz gäbe, der, wenn nur aufgefunden, dauerndeGrundlage der Lohnregelung sein könne. Gibt es doch auchkeinenrichtigen Preis" des Getreides, vielmehr schwankt der-selbe nach Mafsgabe der Verhältnisse des Marktes, d. h. derwirtschaftlichen Machtverhältnisse. Dasselbe gilt von derArbeit. Ihr Preis schwankt wie jeder andere zwischen einemMaximum und Minimum; das letztere bestimmen die Produk-tionskosten d. i. bei der Arbeit das sogenannte Lebensmini-mum; das Maximum dagegen ist der Punkt, da der Käuferd. i. das in der betreffenden Industrie beschäftigte Kapitalsich zurückzieht.

Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus die beiSchiedssprüchen Ausschlag gebenden Gründe und Gegengründe,

1 Vergl. MarshallEconomics of Industry", PriceIndustrial Peace",MunroThe sliding scales in the coal industry",The sliding scales inthe iron indugtry".