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dortigen Arbeitgeber eine in den übrigen Teilen Englands bewilligte Lohnerhöhung nicht zugestehen wollten. Die Ar-beiter begründen diesen Ausstand damit, dafs sie „billig mitden Arbeitgebern verfahren", und schon jener wegen, dieuntereinander konkurrierten, die Löhne für ganz England aufgleicher Höhe halten mtifsten. Ein weiterer Ausstand er-eignete sich im Februar 1885 in dem Bezirke des östlichenSchilfsbaues.
Der Verlauf und die Beendigung dieses Ausstandes istbezeichnend dafür, wie auch diese nicht stets zu vermeidendenKämpfe — früher zu den wildesten Ausschreitungen führendund fast stets den Eingriff der Militärgewalt fordernd —heute, wenigstens auf dem Gebiete der Grofsindustrie, als reinwirtschaftliche empfunden w r erden und darum von aller per-sönlichen Erbitterung frei sind. Im Beginn des Jahres 1885verlangten die Arbeitgeber eine bedeutende Lohnherabsetzung;aber erst am 6. Februar, nachdem Verhandlungen vergeblichgeführt waren, wurde der Gewerkverein des nordöstlichenBezirkes (Wear and Tyne) auf Kriegsfufs gesetzt, indem derExekutivausschufs eine „Streikeerlaubnis" von 20 000 Mark be-willigte. Von dieser Zeit an gehen fortwährend Verhand-lungen zwischen beiden Seiten, indem die Logen des Gewerk-vereins über die Vorschläge der Arbeitgeber abstimmten undder "Exekutivausschufs Gegenvorschläge machte. Der ganzeStreit wurde in durchaus „versöhnlichem Geiste" geführt.Die Arbeitgeber erklärten es als ihren Wunsch, „mit denVertretern der Arbeiter in friedlicher Konferenz zusammen-zukommen"; am 19. Februar erklärten sie sich bereit, durchgemeinsam ernannte Rechner ihre Lohnbücher prüfen und dieDurchschnitte, welche sie angegeben hatten und die von denArbeitern bestritten wurden, feststellen zu lassen. Nach drei-wöchentlichem Ausstande wurde eine Übereinkunft erzielt, in