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der Berieht der Nottinghamer Einigungskammer von 1866 ineiner Erziehung des Arbeiters. „Eines der auffallendstenErgebnisse dieses Austausches von Gedanken und Meinungenist, dafs der Arbeiter besser bekannt wird mit den Gesetzen,die Handel und Industrie beherrschen, und mit dem Einflufsdes ausländischen Mitbewerbs". Die Arbeiter beginnen ein-zusehen, dafs über eine gewisse Grenze hinaus Forderungenunmöglich oder, wenn ausnahmsweise durchführbar, verhängnifs-voll für die Industrie sind. So verurteilt z. B. Th. Burt, derFührer der Bergleute von Northumberland , den Versuch, dieLöhne über ihre natürliche d. h. durch die wirtschaftlichenGesetze bestimmte Grenze in die Höhe zu schrauben. Erweist darauf hin, dafs Kapitalanlagen in Bergwerksanteilennicht so sicher seien, als solche in englischen Staatspapieren,weil die Kohlenindustrie von vielen unvorhersehbaren Zufällenabhängig sei; daher sei es notwendig und liege auch imInteresse der Bergleute, dafs die Dividenden höher seien, alsdie Zinsen der englischen Staatsschuld. Die Arbeiter beginnendamit die Vorteile von Methoden zu erkennen, welche Aus-stände und Ausschliefsungen vermeiden, jene „willkürlicheVerschwendung des angesammelten Reichthums durch Arbeit-geber und Arbeiter", wie Th. Burt an andrer Stelle sagt.
Hieraus entspringt das Bewufstsein einer Interessengemein-schaft mit der Industrie, welches festländische Beobachter heuteam englischen Arbeiter erstaunt. Dasselbe aber ist weit ver-schieden von dem naiven Stolz auf die Gröfse des Brotherrn,wie er in patriarchalischen Zuständen zu finden ist, es istauch keine „Freude an dem luxuriösen'Leben der Arbeitgeber",es beruht vielmehr auf nüchternen und rein wirtschaftlichenErwägungen.
In dieser Richtung ist die Thätigkeit der Gewerkvereins-führer von gröfster Wichtigkeit. Sie sind es, welche zuerst