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2 (1890)
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welche die hauptstädtischen Arbeiterinnen organisiert. DerGruntl dieser Trennung, welche übrigens freundlichem Zusam-menarbeiten 1 nicht im Wege steht, scheint der zu sein, dafsdie londoner Arbeiterinnen ähnlich wie die ungelernten Ar-beiter Gewerkvereinszwecke mit Versicherungszwecken zu ver-binden abgeneigt oder dazu nicht vermögend sind. Die Londoner Bewegungsteht auf vollständigem, fortschrittlichen Gewerk-vereinsboden; sie macht Anspruch auf die Hülfe jedes Mannesund jeder Frau jeder Klasse".

In der Tliat ist die Lage der Mehrzahl der Londoner, insbesondere der Ost-Londoner Arbeiterinnen neben der derDockarbeiter einer der dunkelsten Punkte des englischenVolkslebens. Unter ihnen fallen die in den Bekleidungs-geweihen beschäftigten Klassen ihrer Zahl nach besonders indas Gewicht, obgleich neben ihnen zahlreiche andere stehen,z. B. die Arbeiterinnen der Cigarren- oder Zündholzfabri-kation, Seilerei u. s. w. Die drei Umstände kommen beiihnen zusammen, von denen jeder einzelne bereits die Arbeitzu drücken pflegt: eine verhältnismäfsig ungelernte Arbeit,handwerksmäfsiger Betrieb, eine launische und an die Jahres-zeit gebundene Mode. Die hieraus entspringende Wehrlosig-keit der Arbeit macht sich der Mittelsmann zu Nutze, wel-cher sich durch Accordarbeit zwischen Arbeitgeber und Ar-beiter einschiebt. Die Folgen sind die solchen Verhältnissenallemal eigentümlichen. Der Durchschnittsverdienst einer Frauin London ist 2 d. die Stunde; in sehr vielen Fällen über-steigt er nicht 1 d. Zudem herrscht keine Gleichförmigkeitin den Löhnen; hier wird 50°/o mehr gezahlt als für dieselbe

1 So trafen sich z. B. hei einer geselligen Unterhaltung, welcheToynbee-Hall dem Gewerkverein der Ost-Londoner Schneiderinnen am11. Dezember 1889 gab, Führerinnen beider Bewegungen zu freundschaft-lichem Meinungsaustausch.

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