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2 (1890)
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Arbeit eine Strafse weiter, der beste Beweis, dafs die Arbei-beitsbedingungen einseitig und willkürlich bestimmt werden,indem allgemein wirtschaftliche Verhältnisse die Zahlung deshöheren Lohnes nicht verhindern. Die Arbeitszeit ist aufser-gewöhnlich lang; zudem wird häufig verlangt, dafs die Arbei-terinnen die angefangene Arbeit am Abend mit nach Hausenehmen und dort vollenden. Zugleich herrscht in einzelnenZweigen gröfste Unregelmäfsigkeit der Arbeit; um das Bisico,welches vom Wetter und ähnlichem abhängt, möglichst zuvermindern, wird in den Damenbekleidungswerkstätten, welchemeist für die Kaufleute des Westens arbeiten, erst mit ein-tretender Nachfrage die Arbeit begonnen, die dann achtzehn-bis zwanzigstündig ist; sobald die Saison vorüber ist, wird dieMehrzahl der Arbeiterinnen entlassen, die während des Win-ters von der Strafse leben oder das Arbeitshaus aufsuchen 1 .

Mrs. A. Besant ging hier voran; ihr gelang es zunächstdie Arbeiterinnen in der Zündholzfabrikation zu organisierenund ihre Arbeitszeit zu verkürzen. Der Ausstand bei Bryantand May war das erste Zeichen einer Bewegung in der Weltder weiblichen Arbeit. Aber ein wirksamer Anstofs, der sichin weiten Kreisen fühlbar machte, ging erst von dem Dock-

1 Mr. Lakeman's Report lipon the social condition of Factory andWorkshop female operatives in the Central Metropolitan District in 1887.Beispielsweise herrscht vielfach die Gewohnheit, von den geübterenArbeiterinnen bei Beginn der Saison Muster anfertigen zu lassen, welchein den Geschäften ausgestellt werden. Gefällt das Muster und kommenAufträge, so läfst der Unternehmer ein oder zwei Grofs Mäntel von derNäherin zu dem von ihr angegebenen Preise anfertigen,wenn er ein ehr-licher Mann ist". Ist er unehrlich, so giebt er die Arbeit, nachdem erdas Muster hat, einer Arbeiterin, die noch weniger nimmt. Oft soll nichtmehr als 1 sh. 6 d. für die Herstellung eines Mantels bezahlt werden.Diejenige, welche den Auftrag erhalten hat, rnufs nun ihrerseits Arbei-terinnen anstellen, welche, da sie selbst von dem Verdienst kaum anständigleben kann, sich mit wahren Hungerlöhnen zu begnügen haben.