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mehr ein Zusammenhang auf Grund innerer Strukturver-änderungen, worauf z. B. die ungeheure Überlegenheit dersocialen über die physischen Organismen beruht, indem ersteresich aus Individuen, letztere aus mechanisch verbundenenTeilen zusammensetzen. Der bezeichnete Vorgang strebt aufeinen Zustand des Gleichgewichts hin, in dem Bewegung undGegenbewegung sich gegenseitig ausgleichen. Freilich ist einOrganismus, welcher zu vollständigem, „ruhendem" Gleich-gewicht gelangt wäre, undenkbar; diese Eigenschaft, die Ewig-keit wäre, könnten wir nur dem alle Erscheinungen um-fassenden Ganzen zuschreiben, welches aus dem Gebiet derErkenntnis hinausfällt.
Wendet man diese Gedanken auf das Gebiet der gesell-schaftlichen Entwicklung an, so ist auch von dieser fort-schreitende Unterordnung der Teile unter das Ganze undfortschreitende Differenzierung der Teile zu Organen auszu-sagen. Die das Ganze zusammensetzenden Einheiten, diemenschlichen Individuen, passen sich in wachsendem Mafseden Lebensbedürfnissen des Ganzen an; mechanische Mittel,staatlicher Zwang, werden durch innere, d. h. moralische Ver-änderungen in den Individuen ersetzt. Aller socialer Fort-schritt ist also in letzter Linie moralischer Fortschritt, einGedanke, in dem ich mit meinem hochverehrten Freunde Dr.Spence Watson zu Newcastle voll übereinstimme. Aber eineGesellschaft, die des Zwanges völlig entbehren könnte, dieallein auf moralischer Unterordnung der Individuen beruhte, esalso zum dauernden Gleichgewichte gebracht hätte, ist einIdeal, als solches nicht von dieser Welt; man steuert ihm zu,ohne es zu erreichen. Dieses Ideal für Wirklichkeit ge-nommen zu haben, war der Irrtum des älteren Liberalismus,welcher durch Befreiung des Individuums die sociale Har-monie herbeiführen zu können vermeinte. Wie weit das