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Präsident: Der Herr Handclsminister hat das Wort.
Haudclsministcr von der Heydt. Ich muß mich dochdagegen verwahren, daß aus einer gewissen Aengstlichkcit solcheAnträge an die Regierung gelangen zu sehen, dem Vorschlagewidersprochen sei. Die Regierung achtet es nicht für zweck-mäßig, daß in dieser Materie überhaupt verschiedene Bestimmun-gen je nach den lokalen Anschauungen getroffen werden, zumalauch diese lokalen Anschauungen, wie die Erfahrung lehrt, sehrhäufig einem Wechsel unterworfen sind. Es handelt sich -auchnicht, wie der Abgeordnete Reichenspcrgcr meint, darum, obvon etwa vier Städten die eine dieser, die anderen jener Mei-nung sind, sondern es hat sich die große Mehrzahl aller Städtefür den Wegfall der Exklusivrcchte ausgesprochen, mit Aus-nahme der Stadt Köln. Namentlich alle anderen großen Städteund Handelsplätze, wie Berlin, Stettin, Danzig, Königsberg,Memcl, Magdeburg, Brcslau, Halle, auch die übrigen Rhei-nischen Städte, namentlich Elbcrfcld, Düsseldorf und Aachen, haben sich für den Wegfall der Exklusivrechte ausgesprochen,weil es ganz unmöglich sei, dieselben zu handhaben.
Wenn nun der Herr Abgeordnete von Ammon sagt, daßin Köln dafür Sorge getrosten sei, daß alle Verinittclungsge-schäfte nur von gesetzlichen Mäklern geschlostcn werden, so er-laube ich mir, die Richtigkeit dieser Behauptung zu bezweifeln.Ich glaube wohl, daß nur gesetzliche Mäkler, soweit es auf denNamen Mäkler ankommt, die Vermittler von Geschäften seinwerden. Andere können aber die Vermittelung der Geschäftesehr wohl unter einer anderen Benennung besorgen / mau denkenur an die Kommissivnairc, Agenten u. s. w./ und daß aufdiese Weise auch in Köln eine sehr große Anzahl von Geschäftengeschlossen wird ohne die Vermittelung gesetzlicher Mäkler, davonbin ich überzeugt. Da also keine innern Gründe für eine solcheAusnahme für das Lokalbedürfniß — nur um deswillen glaubtdie Regierung, sich dem Vorschlage nicht anschließen zu können.
Präsident: Der Abgeordnete Reichcnheim hat dasWort.
Abgeordn. Reichenheim (vom Platz): Ich glaube imInteresse der Stadt Köln zu sprechen, wen» ich Sie bitte, demKommissions-Antrage bcizutrctcu, und nicht dem Antrage derbeiden geehrten Abgeordneten für die Stadt Köln. Ich binein Feind von allen Exklusivrcchten, denn wohin führen sie,wenn sie richtig ausgeübt werden? Zur vollständigen Schläf-rigkeit/ das Geschäft schläft ein und die Erfahrung lehrt, daßgerade durch die sogenannten »Bönhasen«, indem sie den ver-eidigten Mäklern Konkurrenz machen, eine größere Lebendigkeitentsteht, dem Geschäfte eine viel größere Thätigkeit zugewendetwird, als es früher der Fall gewesen ist. Aus diesen Gründenmöchte ich Sie bitten, dem Kommissions-Antragc zuzustimmen.