fragen — der Brite nicht in elfter Stunde den Versuch wagen,mit politischen Mitteln den unbequemen Mitbewerber nieder-zuschlagen, der ihm wirtschaftlich über den Kopf wuchs?Wiesen in dieser Richtung nicht alle Überlieferungen der bri-tischen Geschichte? Das britische Weltreich — im Kriege auf-gebaut — war es anders als im Kriege zu erhalten? An-gesehene Schriftsteller — keiner glänzender als Mr. Garvin —machten es sich zur Lebensaufgabe, diesen Gedanken den Gehirnenihrer Landsleute einzuhämmern: „Was das Spanien Philipps II.,das Frankreich Ludwigs XIV. und Napoleons, ist heute Deutsch-land : der Gegner." „Morgen wird ein unüberwindliches Groß-deutschland seine Schatten über Europa hinauswerfen; heute giltes, Kleindeutschland niederzuzwingen." „Wäre Deutschland heutevernichtet, so wäre morgen jeder einzelne Engländer reicher."
Den Gedanken der „Deutschen Gefahr" erhob Edward VII .zum Mittelpunkt aller britischen Politik. Ihm entstammt dasBündnis mit Japan , welches Nußland vom „fernen Osten" ab-drängte. Ihm entstammt die Verständigung mit Frankreich , die demverblassenden Revanchegedanken wieder rote Wangen anhauchte.Ihm entstammt der „Waffenstillstand" mit Rußland , welcherunter erheblichen Opfern Englands im „mittleren Osten" Ruß-lands Ehrgeiz nach dem nahen Osten zurückwandte und Kon-stantinopel wieder in den Mittelpunkt der Weltpolitik rückte.Äierzu kam die Zusammenfassung der britischen Schlachtflotte imKanal, sowie die riesenhafte Steigerung des britischen Flotten-budgets, die sich nur gegen Deutschland richten konnte. England gab für Wehrzwecke nahezu doppelt soviel aus als das desMilitarismus bezichtigte Deutschland . Es bedeutete dies einevöllige Verschiebung aller britischen Politik, die seit alters gegenRußland und Frankreich und auf die Erhaltung der Türkei ge-richtet war. Leistete Deutschland der geplanten ZurückdrängungWiderstand, so sollte es seiner Flotte, seiner Kolonien und seinesAußenhandels, auch Elsaß-Lothringens , Ost- und Westpreußensberaubt und zum Kleinstaat herabgedrückt werden.
Ebenso erschien eine militärisch starke Türkei als eine Ge-fahr für Ägypten und eine Unterbrechung der britischen Linievom Kap über Kairo nach Indien. Daher Bekämpfung derBagdadbahn, die ein Rückgrat der verjüngten Türkei werdenkonnte; letzthin der Plan einer Aufteilung der Türkei zwischenEngland und Rußland !
IS