Druckschrift 
Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

heiten mischen. Diese Europäer sind sowohl Russen wie Engländer,so daß Deutschland allein als Schutzmacht der asiatischen Türkei da-steht." (Vgl.Lnlfe" Nr. 21 und 22 vom 22. und 29. Mai 1913.)

Nunmehr, nachdem der Krieg entbrannt ist, sind wir unsund der Welt die Antwort auf die Frage schuldig: Wofürkämpft Deutschland? Deutschland erklärt jenen Zu-stand für kulturwidrig und menschheitsfeindlich, wo-nach es in das Belieben einer Macht gestellt ist, dieWeltwirtschaft zu unterbinden, das Dasein aller an-deren Völker damit in das Äerz zu treffen und Notund Elend bis in die entlegensten Äütten zu tragen.Deutschland kämpft für die Freiheit der Meere, alsofür die Menschheit auch für Frankreich. Deutsch-land erstrebt für sich keine Seeherrschaft, wozu esgar nicht die Kräfte hätte, sondern einen Zustandmaritimen Gleichgewichts mehrerer Seemächte, inwelchem Deutschland der stärksten Macht gleichberech-tigt und gleichwertig zur Seite steht. Anter dieser Be-dingung aber auch nur unter dieser Bedingung, die alleindas Dasein seiner Kinder und Enkel sichert weist Deutschland auch heute noch Abrüstungsgedanken nicht von der Kand.

Des weiteren erklärt Deutschland jenen Zustandfür kulturwidrig, wonach eine Macht in der Lage ist,die kolonialen Rohstoffgebiete der Welt nach Beliebenfür sich vorwegzunehmen, ihren Günstlingen zuzu-teilen und anderen zu entziehen. Kolonialpolitik istkein Luxus, sondern ein Lebensbedürfnis alteuropä-ischer Industrie- und Gläubigerstaaten mit beschränkterterritorialer Basis. Für sich erstrebt Deutschland als In-dustrie- und Gläubigerstaat eine genügend breite, geogra-phisch nicht zu entlegene koloniale Ausweitung. Derbelgische Kongo böte die Möglichkeit einer solchen Ausweitungohne ernstliche Beeinträchtigung der französischen oder britischenKolonialinteressen.

Forderungen wie diese sind nicht etwa nur Gedanken einesEinzelnen oder einer Klasse, sondern Forderungen des gesamtendeutschen Volkes. Vor allem ist die deutsche Arbeiterschaft mehrals andere Volksklassen am freien Weltverkehr interessiert: ander Zufuhr von Nahrung, der Ausfuhr von Industrieerzeugnissen,dem Besitz von Rohstoffgebieten.

23