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Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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furchtbarsten Krieg aller Zeiten entfesselten. Demokratisch dagegenim besten Sinne des Wortes war die Einstimmigkeit, mit der diedeutsche Nation den ihr aufgezwungenen Daseinskampf aufnahm.Wer die Sitzung des Deutschen Reichstags vom 4. August mit-gemacht hat, hat den Sturm des Volkswillens und die Flutwelleeiner Volksbewegung verspürt.

Lächerlich ist es, in diesem Zusammenhang noch heute vonder Verletzung der belgischen Neutralität zu reden. Der Ein-marsch deutscher Truppen in das längst nicht mehr neutraleBelgien erfolgte nach der entscheidenden Erklärung Englands inPetersburg, nach einer ähnlichen Erklärung Englands an Frank-reich, daß es im Kampfe gegen Deutschland den Schutz der nord-französischen Küsten übernehmen werde, nachdem französischeSoldaten längst in Belgien standen, wie französische Gefangeneuns mitteilen. Auch ist die Frage erlaubt: Äat England denKrieg an Japan erklärt, als Japan , um das deutsche Tsingtauzu erobern, in genau derselben Weise die Neutralität Chinasverletzte? Alles dieses, uns zum Überdruß bekannt, wiederhole ichhier nur wegen der Neutralen, in deren Äände diese Schrift kommt.

Übrigens waren wir ja in den letzten Iahren schon wieder-holt am Rande der Katastrophe, ohne daß die belgische Fragedie geringste Rolle spielte. Am meinen Wählern die schwerenLasten unserer letzten Wehrvorlage annehmbar zu machen dasallgemeine Wahlrecht ein nützliches Mittel der Volkserziehung I,legte ich ihnen im Mai 1913 die europäische Lage mit folgendenWorten dar:Wie immer man die russischen Verhältnisse be-urteilen mag, wird man das sagen müssen: Ein Funke kanndieses Pulverfaß zur Explosion bringen. In politischen Kreisenwird ein Wort des Zaren kolportiert: Sein sehnlichster Wunschsei der Friede, aber es sei sein Schicksal, daß seine Wünscheselten in Erfüllung gingen. Die Stimmung in Frankreich istschlimmer denn je. Es ist dort eine chauvinistische Literatur zumBlühen gelangt, die darauf abhebt, den Franzosen nicht etwanur zu sagen: wir wollen Elsaß-Lothringen, sondern wir sind auchimstande, es uns zu holen. Gibt es eine britische Regierung,welche stark genug ist, im Falle eines deutsch -französischen Kriegesdie britische Nation zurückzuhalten? Italien kann sich nichtrühren, wenn England nicht will. Was die Türkei braucht,ist nach Ansicht der besten Sachkenner nichts als einige JahreRuhe, während deren die Europäer sich nicht in ihre Angelegen-22