Deutschlands , eine Flottenkontingentierung im Verhältnis von 10zu 16 öffentlich angeboten hatte. Mit diesem Vorschlag, der einegemäßigte Flottensuprematie Großbritanniens anerkannte, tratDeutschland an die Spitze des Weltpazifismus; denn alle Ab-rüstungsfrage ist müßiges Gerede, solange sie nicht zur Ziffern-frage sich verdichtet.
Endlich, Sommer 1914, schien auch eine koloniale Verständigungerreicht, die beide Seiten befriedigte. In greifbare Nähe schiendie deutsch -englische Verständigung gerückt zu sein, welche imBunde mit den Vereinigten Staaten die Welt geordnet und be-friedet hätte. Gab es einen heilvolleren Gedanken als diesen:Bündnis der drei germanischen Weltmächte zu gleichen Rechten?Ein Bündnis, das Rußlands Despotismus gestürzt hätte, wieG. Drage vor Iahren in seinem „Cyril" verfocht, einer der wenigenEngländer, die Rußland kennen? Ein Bündnis, das zugleich demEhrgeiz Japans Halt geboten und die Rechte der weißen Rassegewahrt hätte? In diesem Sinne hatte dereinst einer der bestenFreunde Englands, Wilhelm II. , gesagt: „Es kann sein, daßEngland selbst einmal froh sein wird, daß Deutschland eine Flottebesitzt, wenn beide Länder gemeinsam auf derselben Seite ihreStimme erheben," unter Hinweis auf die gelbe Gefahr. Durchdämonisches Llnland versuchte der Kaiser diesem Gedanken eineGasse zu bahnen — und mit ihm nicht wenige der besten Deutschenund Engländer.
Aber gerade weil diese Verständigung so nahe war, weilKonstantinopel den Russen damit endgültig entglitten wäre, darumwurde das feine Räderwerk Edwards VII. durch die freventliche Handrussischer Großfürsten in Gang gesetzt. Ein Jahr später vielleichtwäre es nicht mehr möglich gewesen. Noch aber waren in England die Erben Edwards VII. am Ruder. Die russische Kriegspartei istdurchgedrungen, weil und nachdem sie die Zusicherung britischenBeistandes erhalten hatte, wie der belgische Gesandte in St.Peters-burg unter dem 30. Juli 1914 an seine Regierung berichtete.Diese Zusicherung wurde gegeben ohne Vorwissen des britischenParlaments, gegen den Willen erster britischer Staatsmänner(Morley, Burns, Trevelyan), gegen die friedlichen Absichtender britischen Arbeiterschaft (R. Macdonald). Auf dem Bodendes britischen Musterparlamentarismus waren es zwei oder dreiMänner, welche — undemokratisch genug — Englands Schicksalan das Schicksal des russischen Despotismus banden und den
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