Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

besitzen kann, und umgekehrt die allseitige und äufserste Verschiedenheitder Objekte sich mit der Gleichheit ihres Wertes verträgt, so scheint alsGrund der Wertung nur das Subjekt mit seinen normalen oder aus-nahmsweisen, dauernden oder wechselnden Stimmungen und Reaktions-weisen übrig zu bleiben. Es bedarf kaum der Erwähnung, dafs dieseSubjektivität nichts mit jener zu tun hat, der man die Gesamtheit derWelt, da sie »meine Vorstellung« ist, anheimgegeben hat. Denn dieSubjektivität, die vom Werte ausgesagt wird, stellt ihn in den Gegensatzzu den fertigen, gegebenen Objekten, völlig gleichgültig dagegen, aufwelche Weise diese selbst zustande gekommen sind. Anders ausgedrückt:das Subjekt, das alle Objekte umfafst, ist ein anderes als dasjenige, dassich ihnen gegenüberstellt, die Subjektivität, die der Wert mit allen Ob-jekten teilt, kommt dabei garnicht in Frage. Auch kann seine Sub-jektivität nicht den Sinn der Willkür haben: all jene Unabhängigkeitvom Wirklichen bedeutet nicht, dafs der Wille ihn mit ungebundeneroder launenhafter Freiheit da und dorthin verteilen könnte. Das Bewufst-sein findet ihn vielmehr als eine Tatsache vor, an der es unmittelbar sowenig ändern kann, wie an den Wirklichkeiten. Nach Ausschlufs dieserBedeutungen bleibt der Subjektivität des Wertes zunächst nur die negative:dafs der Wert nicht in demselben Sinne an den Objekten selbst haftet,wie die Farbe oder die Temperatur; denn diese, obgleich von unserenSinnesbeschaffenheiten bestimmt, werden doch von einem Gefühle un-mittelbarer Abhängigkeit von dem Objekt begleitet einem Gefühle,auf das uns dem Werte gegenüber die eingesehene Gleichgültigkeitzwischen der Wirklichkeits- und der Wertreihe leicht verzichten lehrt.Allein wesentlicher und fruchtbarer als diese Bestimmung sind diejenigenFälle, in denen die psychologischen Tatsachen sie dennoch zu demen-tieren scheinen.

In welchem empirischen oder transszendentalen Sinne man auch von»Dingen« im Unterschied vom Subjekte sprechen möge eine »Eigen-schaft« ihrer ist der Wert in keinem Fall, sondern ein im Subjekt ver-bleibendes Urteil über sie. Allein weder der tiefere Sinn und Inhalt desWertbegriffs, noch seine Bedeutung innerhalb des individuellen Seelen-lebens, noch die praktisch - sozialen, an ihn geknüpften Ereignisse undGestaltungen sind mit seiner Zuweisung an das »Subjekt« irgend zu-länglich begriffen. Die Wege zu diesem Begreifen liegen in einer Schicht,von der aus gesehen jene Subjektivität als etwas blofs Vorläufiges undeigentlich nicht sehr Wesentliches erscheint.

Die Scheidung zwischen Subjekt und Objekt ist keine so radikale,wie die durchaus legitimierte Aufteilung ebenso der praktischen wie der