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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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ihm und uns, die schlielslich gestattet, ihm einen Wert jenseits seinesblofsen Genossenwerdens zuzuteilen.

So kann man sagen, dals der Wert eines Objekts zwar auf seinemBegehrtwerden beruht, aber auf einer Begehrung, die ihre absolute Trieb-haftigkeit verloren hat. Ebensowenig aber darf das Objekt, wenn es einwirtschaftlicher Wert bleiben soll, sein Wertquantum zu einer Höhesteigern, bei der es praktisch wie ein absolutes wirkt. Die Distanzzwischen dem Ich und dem Gegenstand seiner Begehrung kann eine soweite werden sei es durch die sachlichen Schwierigkeiten der Be-schaffung, sei es durch exorbitante Höhe des Preises, sei es durch Be-denken sittlicher oder anderer Art, die sich dem Streben nach ihm ent-gegenstellen, dafs es zu gar keinem realen Willensakt kommt, sonderndas Begehren entweder erlischt oder zu einem schattenhaften Wünschenwird. Der Abstand zwischen Subjekt und Objekt, mit dessen Aufwachsender Wert, mindestens in dem wirtschaftlichen Sinne, entsteht, hat alsoeine untere und eine obere Grenze, so dafs die Formulierung, das Mafsdes Wertes sei gleich dem Mafse des Widerstandes, der sich der Er-langung begehrter Dinge nach Natur-, Produktions- und sozialen Chancenentgegensetze den Sachverhalt nicht trifft. Gewifs würde Eisen keinwirtschaftlicher Wert sein, wenn sich seiner Erlangung keine gröfserenSchwierigkeiten entgegensetzten, als etwa der Erlangung der Luft zumAtmen; aber andrerseits mufsten diese Schwierigkeiten unter ein gewissesMafs sinken, damit man das Eisen überhaupt zu derjenigen Fülle vonWerkzeugen verarbeiten konnte, die es wertvoll machte. Oder auch:man hat behauptet, die Werke eines fruchtbaren Malers würden, beigleicher Kunstvollendung, weniger kostbar sein als die des minder pro-duktiven ; das ist erst oberhalb einer bestimmten Quantitätsgrenze richtig.Denn es bedarf gerade einer gewissen Fülle von Werken eines Malers,damit er überhaupt erst einmal denjenigen Ruhm erwerbe, der den Preisseiner Bilder hochhebt. So hat ferner in einigen Papierwährungsländerngerade die Seltenheit des Goldes es dahin gebracht, dafs das niedereVolk überhaupt nicht mehr Gold nehmen mag, wenn es ihm zufällig ge-boten wird. Ja, gerade den Edelmetallen gegenüber, deren Eignung zurGeldsubstanz man auf ihre Seltenheit zu gründen pflegt, darf die Theorienicht übersehen, dafs diese Seltenheitsbedeutung erst oberhalb einer ziem-lich erheblichen Häufigkeit einsetzen kann, ohne welche diese Metalledem praktischen Geldbedürfnis gar nicht dienen und also den Wert, densie als Geldstoffe besitzen, gar nicht erlangen könnten. Vielleicht läfstnur die praktische Habsucht, die über jedes gegebene Quantum vonGütern hinausbegehrt und der deshalb jeder Wert zu knapp erscheint,

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