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haupt eine Wirklichkeit da ist, wird durch kein Gesetz notwendig ge-macht, keinem logischen oder Naturgesetze wäre widersprochen, wenn esüberhaupt kein Dasein gäbe. Und ebensowenig ist es »notwendig«, dalsNaturgesetze existieren; sie sind vielmehr blolse Tatsachen, wie das Sein,und erst wenn sie existieren, sind die ihnen unterworfenen Ereignisse»notwendig«; es kann kein Naturgesetz geben, dafs es Naturgesetze gebenmüsse. Was wir Notwendigkeit nennen, besteht nur zwischen demSein und den Gesetzen, es ist die Form ihres Verhältnisses. Beidessind blofse, prinzipiell voneinander unabhängige Wirklichkeiten: denn dasSein ist denkbar, ohne dafs es unter Gesetzen steht, und der Komplexder Gesetze würde gelten, auch wenn es kein ihm gehorsames Sein gäbe.Erst wenn sie beide da sind, erhalten die Gestaltungen des Seins Not-wendigkeit, mit ihr oder in ihrer Gestalt stellt sich das Sein und dieGesetze als die Elemente einer uns unmittelbar nicht fafsbaren Einheitdar: sie ist die Relation, die sich zwischen dem Sein und den Gesetzenknüpft, keinem von beiden für sich einwohnend, sondern nur dadurchdas Sein beherrschend, dafs Gesetze sind, nur dadurch den Gesetzen alsein Sinn und Bedeutung ihrer zukommend, dafs es ein Sein gibt.
Von anderer Seite her auf dasselbe Ziel zuschreitend, kann man denRelativismus in Hinsicht der Erkenntnisprinzipien so formulieren: dafsdie konstitutiven, das Wesen der Dinge ein- für allemal ausdrückendenGrundsätze in regulative übergehen, die nur Augenpunkte für das fort-schreitende Erkennen sind. Gerade die ^letzten und höchsten Abstrak-tionen, Vereinfachungen oder Zusammenfassungen des Denkens müssenden dogmatischen Anspruch aufgeben, das Erkennen abzuschliefsen. Andie Stelle der Behauptung: so und so verhalten sich die Dinge — hatin Hinsicht der äufsersten und allgemeinsten Ansichten vielmehr die zutreten: unser Erkennen hat so zu verfahren, als ob sich die Dinge sound so verhielten. Damit ist die Möglichkeit gegeben, Art und Wegunseres Erkennens sein wirkliches Verhältnis zur Welt sehr adäquat aus-drücken zu lassen. Der Vielheit unserer Wesensseiten sowie der ab-hilfesuchenden Einseitigkeit jedes einzelnen begrifflichen Ausdrucks fürunsere Beziehung zu den Dingen entspricht und entspringt es, dafs keinderartiger Ausdruck allgemein und auf die Dauer befriedigt, vielmehrhistorisch seine Ergänzung durch eine gegenteilige Behauptung zu findenpflegt; wodurch in unzähligen Einzelnen ein unsicheres Hin- und Her-pendeln, ein widerspruchsvolles Gemenge oder eine Abneigung gegenumfassende Grundsätze überhaupt erzeugt wird. Wenn nun die kon-stitutiven Behauptungen, die das Wesen der Dinge festlegen wollen, inheuristische verwandelt werden, die nur unsere Erkenntniswege durch