Unendlichen liegenden Endpunkt münden sollte, und dieser Richtungssinnbleibt, was er ist, auch wenn die Bewegung von irgendeinem Punkte anin eine andere Richtungslinie alterniert, die derselben Norm unterliegt.
In dieser Form des Aufeinanderangewiesenseins der Denkrichtungenbegegnen sich allgemeine wie spezielle Erkenntniskomplexe. Sucht mandas Verständnis der Gegenwart in politischen, sozialen, religiösen undsonstigen Kulturhinsichten, so wird es nur auf historischem Wege zugewinnen sein, also durch Erkenntnis und Verständnis der Vergangen-heit. Diese Vergangenheit selbst aber, von der uns nur Fragmente,stumme Zeugen und mehr oder weniger unzuverlässige Berichte undTraditionen überkommen sind, wird uns doch nur aus den Erfahrungenunmittelbarer Gegenwart heraus deutbar und lebendig. Wie viele Um-bildungen und Quantitätsänderungen auch dazu erforderlich seien, jeden-falls ist die Gegenwart, die uns der unentbehrliche Schlüssel für dieVergangenheit ist, doch nur durch diese selbst verständlich, und dieVergangenheit, die allein uns die Gegenwart verstehen läfst, ohne dieAnschauungen und Fühlbarkeiten eben dieser Gegenwart überhaupt nichtzugängig. Alle historischen Bilder erzeugen sich in dieser Gegenseitig-keit der Deutungselemente, von denen keines das andere zur Ruhe kommenläfst: das abschliefsende Begreifen ist in die Unendlichkeit hinaus verlegt,da jeder in der einen Reihe erreichte Punkt uns zu seinem Verständnis andie andere verweist. Ähnlich verhält es sich mit der psychologischenErkenntnis. Jeder uns gegenüberstehende Mensch ist für die unmittel-bare Erfahrung nur ein lauterzeugender und gestikulierender Automat;dafs hinter dieser Wahrnehmbarkeit eine Seele steckt und welches dieVorgänge in ihr sind, können wir ganz allein nach der Analogie mitunserem eigenen Innern erschliefsen, das das einzige uns unmittelbar be-kannte seelische Wesen ist. Andrerseits wird die Kenntnis des Ich nuran der Kenntnis der Anderen grofs, ja die fundamentale Zerfällung desIch in einen beobachtenden und einen beobachteten Teil kommt nur nachAnalogie des Verhältnisses zwischen dem Ich und anderen Persönlich-keiten zustande. An den Wesen aufser uns, die wir nur durch dieSeelenkenntnis unser selbst deuten können, mufs sich demnach eben dieseKenntnis selbst orientieren. So ist das Wissen um die seelischen Dingeein Wechselspiel zwischen dem Ich und dem Du, jedes weist von sichaus auf das andere — gleichsam ein stetes Aus wechseln und Tauschender Elemente gegeneinander, in dem sich die Wahrheit nicht weniger alsder wirtschaftliche Wert erzeugt.
Und endlich, noch weiter ausgreifend: der neuzeitliche Idealismusleitet die Welt aus dem Ich ab, die Seele erschafft, gemäfs ihren