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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Folge des inhaltlichen Wesens der Ware für sich und der Geldsummefür sich, die sich so vielmehr ganz beziehungslos, jenseits von gerechtund ungerecht gegenüberstehen.

Dafs die Bedeutung des Geldes, die wirtschaftliche Relativität derObjekte in sich darzustellen wovon seine praktischen Funktionen ab-zweigen, nicht als fertige Wirklichkeit dasteht, sondern wie allehistorischen Gebilde seine Erscheinung erst allmählich zu der Reinheitdes Begriffes aufläutert, den wir als seinen Beruf und seine Stellunggleichsam im Reiche der Ideen denken das findet sein Gegenstückdarin, dafs man von allen Waren sagen konnte, sie seien in gewissemSinne Geld. Jeder Gegenstand b, der gegen a, und von seinem nun-mehrigen Besitzer gegen c vertauscht wird, spielt insofern, jenseits seinerDingqualitäten, die Rolle des Geldes: es ist der Ausdruck der Tatsache,dafs b, a und c gegeneinander vertauschbar sind und des Mafses, in demsie es sind. Dies geschieht mit unzähligen Gegenständen und tatsächlichsehen wir, je weiter wir in der Kulturentwicklung zurückgehen, eine umso gröfsere Zahl ganz verschiedenartiger Objekte die Funktion des Geldesin vollkommenerer oder rudimentärerer Art ausüben. Solange die Gegen-stände noch in natura aneinander gemessen, bezw. gegeneinander aus-getauscht werden, befinden sich ihre subjektiven und ihre wirtschaftlich-objektiven Qualitäten, ihre absolute und ihre relative Bedeutung noch inungeschiedenem Zustande; sie hören in demselben Mafse auf, Geld zusein oder sein zu können, in dem das Geld auf hört, Gebrauchsware zusein. Das Geld wird immer mehr zu einem Ausdrucke des wirtschaft-lichen Wertes, weil dieser selbst nichts ist, als die Relativität der Dingeals untereinander tauschbarer, diese Relativität aber ihrerseits an denzum Geld werdenden Objekten mehr und mehr Herr über deren sonstigeQualitäten wird, bis sie schliefslich nichts anderes als die substanz-gewordene Relativität selbst sind.

Wenn der Weg zum Gelde vom Naturaltausch ausgeht, so ist, nochinnerhalb des letzteren, seine Richtung erst dann eingeschlagen, wennman ein einheitliches Objekt nicht gegen ein anderes einheitliches, sonderngegen eine Mehrheit anderer tauscht. Wenn eine Kuh für einen Sklaven,ein Gewand für einen Talisman, ein Boot für eine Waffe gegeben wird,so ist der Prozefs der'Wertabwägung noch ein völlig ungebrochener, ererfolgt nicht durch Reduktion der Objekte auf einen Generalnenner, alsdessen gleiche Vielfache jene erst zu berechnen wären. Nimmt manindes eine Hammelherde für ein Haus, zehn behauene Balken für einSchmuckstück, drei Mafs Getränke für eine Arbeitshilfe, so ist die Ein-heit dieser Komplexe, der Hammel, der Balken, das Mafs Getränk der