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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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gemeinsame Mafsstab, dessen Vielfaches sich, verschieden geformt, indem einen wie in dem anderen Tauschobjekt findet. Bei unteilbarenGegenständen verläfst das Wertgefühl psychologisch nicht so leicht diefestumschriebene Einheit des einzelnen. Sobald aber darum gefeilschtwird, ob das Schmuckstück nicht vielleicht zwölf oder nicht vielleichtnur acht Balken wert sei, wird auch der Wert des Schmuckes, trotzdessen äufserer Unzerlegbarkeit, durch den Wert eines Balkens gemessenund es erscheint möglich, ihn aus dem Achtfachen, dem Zwölffachen undschliefslich dem Zehnfachen dieses letzteren zusammenzusetzen. Dadurchwird der Wert beider Tauschgegenstände in ganz anderem Sinne gegen-einander kommensurabel, als wo keine derartige Zerlegung des einenTauschobjekts beide dem Werte nach durch eine und dieselbe Einheitausdrückbar machte. Im Tausch gegen Geld ist diese Kombination nurauf ihre höchste Form gebracht, Geld ist dasjenige teilbare Tauschobjekt,dessen Einheit sich für den Wert jedes noch so unteilbaren Gegenobjektskommensurabel erweist und dadurch die Lösung des abstrakten Wertesin diesem von seiner Fesselung an seinen konkret - speziellen Inhalt er-leichtert, oder auch: sie voraussetzt. Die Relativität der Wirtschafts-objekte gegeneinander, die bei dem Tausch von Unteilbarkeiten psycho-logisch schwerer erkannt wird weil hier jeder sozusagen einen in sichgeschlossenen Wert besitzt tritt durch die Zurückführung auf einengemeinsamen Wertnenner, zuhöchst also auf das Geld, gröfser hervor.

Wir sahen früher, dafs erst die Relativität den Wert der Objekte imobjektiven Sinne schafft, weil erst durch sie die Dinge in eine Distanzvom Subjekt gestellt werden. Auch für diese beiden Bestimmungen istdas Geld Gipfel und Verkörperung, damit ihren Zusammenhang aufsneue beweisend. Indem das Geld niemals unmittelbar genossen werdenkann (die später zu behandelnden Ausnahmen negieren sein eigentlichesWesen!), entzieht es sich selbst jeder subjektiven Beziehung; das Jen-seits des Subjekts, das der wirtschaftliche Verkehr überhaupt darstellt,ist in ihm vergegenständlicht, und es hat deshalb auch von allen Inhaltendesselben die sachlichsten Usancen, die logischsten, blols mathematischenNormen, die absolute Freiheit allem Persönlichen gegenüber in sich aus-gebildet. Weil es blols das Mittel für die eigentlich assimilierbarenObjekte ist, steht es seinem inneren Wesen nach in einer nicht aufzu-hebenden Distanz zu dem begehrenden und genielsenden Ich; und inso-fern es das unentbehrliche Mittel ist, das sich zwischen dieses und dieObjekte schiebt, rückt es auch die letzteren in eine Distanz von uns; eshebt zw r ar diese selbst wieder auf, aber indem es dies tut, und jene demsubjektiven Verbrauch übermittelt, entzieht es sie eben dem objektivSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 7