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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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ihnen im Verhältnis zu ihrem Anfangsstadium erfährt, bei beiden diegleiche ist. Nicht nur für unser Gefühl spinnt sich eine Art von Zu-sammengehörigkeit zwischen zwei Elementen, die zwar in ihrer sub-stanziellen Unmittelbarkeit einander fremd, deren Verhältnisse zu einemdritten und vierten Element aber die gleichen sind; sondern eben damitwird das eine zu einem Faktor für die Ausrechenbarkeit des anderen.Und nun weiter ausgreifend: so unvergleichbar zwei Personen in ihrenangebbaren Eigenschaften sein mögen, so stiften Beziehungen zu einemje dritten Menschen doch eine Gleichheit zwischen ihnen; sobald dieerste die gleiche Liebe oder Hafs , Herrschaft oder Unterworfenheit einerdritten gegenüber zeigt, wie die zweite einer vierten gegenüber, sohaben diese Relationen hier der Fremdheit des Fürsichseins jener einetiefe und wesentliche Gleichheit untergebaut. Endlich ein letztes Beispiel.Die Vollendung verschiedenartiger Kunstwerke würden wir nicht mit-einander vergleichen können, ihre Werte würden sich nicht in den Zu-sammenhang einer Stufenleiter ordnen, wenn nicht jedes zu dem eigen-tümlichen Ideale seiner Art ein bestimmtes Verhältnis hätte. Ausdem Problem, dem Material, der Stilart jedes Kunstwerkes wächst unseine Norm heraus, und zu ihr hat seine Wirklichkeit eine fühlbareRelation von Nähe oder Abstand, die offenbar bei der gröfsten Mannig-faltigkeit der Werke die gleiche oder vergleichbare sein kann. Durchdiese mögliche Gleichheit solcher Relation erst wird aus den einzelnen,an sich einander ganz fremden Werken eine ästhetische Welt, eine genaugefügte Ordnung, ein ideelles Zusammengehören dem Werte nach. Unddies erstreckt sich nicht nur auf den Kosmos der Kunst, sondern dafsüberhaupt aus dem Stoff unserer isolierten Schätzungen eine Gesamtheitgleicher oder abgestufter Bedeutsamkeiten erwächst, dafs auch das Dis-harmonische nur über der Forderung einer einheitlichen Ordnung undinneren Beziehung der Werte untereinander als solches empfunden wird diesen wesentlichen Zug verdankt unser Weltbild allenthalben unsererFähigkeit, nicht nur je zwei Dinge, sondern auch die Verhältnisse jezweier zu je zwei anderen gegeneinander abzuwägen und in der Einheiteines Gleichheits- oder Ähnlichkeitsurteils zusammenzufassen. Das Geld,als Produkt dieser fundamentalen Kraft oder Form unseres Inneren, istnicht nur deren weitestes Beispiel, sondern sozusagen garnichts anderes,als die reine Verkörperung derselben. Denn das Geld kann das imTausch zu realisierende Wertverhältnis der Dinge zu einander dochnur so ausdrücken, dafs das Verhältnis der singulären Summe zu einemirgendwie gewonnenen Nenner dasselbe ist, das zwischen der ihr ent-sprechenden Ware und der Totalität der für den Austausch in Frage