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mehr unmittelbar, d. h. in physischem Kampfe, aneinander, sondernwerden durch blofse Vorstellungen vertreten. Hinter dem Repräsentantenjeder Kollektivmacht steht in verdichteter potenzieller Form die realeKraft seiner Partei, und genau nach dem Mafse dieser ist seine Stimmewirksam und kann sein Interesse sich durchsetzen. Er selbst ist gleich-sam das Symbol dieser Macht; die intellektuellen Bewegungen zwischenden Repräsentanten der verschiedenen Machtgruppen symbolisieren denVerlauf, den der reale Kampf genommen hätte, derart, dafs der Unter-legne sich in das Resultat jener genau so fügt, als wäre er in diesembesiegt. Ich erinnere z. B. an die Verhandlungen zwischen Arbeiternund Arbeitgebern zur Vermeidung eines drohenden Streikes. Hierpflegt jede Partei genau nur bis zu dem Punkte nachzugeben, bis zudem, ihrer Abschätzung der Kräfte nach, auch der wirklich aus-brechende Streik sie zwingen würde. Man vermeidet die ultima ratio,indem man ihr Ergebnis in zusammenfassenden Vorstellungen antizipiert.Wäre diese Vertretung und Messung der realen Kräfte durch blofseVorstellungen immer mit Sicherheit möglich, so könnte überhaupt jederKampf erspart werden. Jener utopische Vorschlag: künftige Kriegedurch eine Partie Schach zwischen den Feldherren zu entscheiden —ist deshalb so absurd, weil der Ausgang einer Schachpartie gar keinenAnhalt dafür gibt, welches der Ausgang des Waffenkampfes gewesenwäre, und also diesen nicht mit gültigem Erfolge versinnbildlichen undvertreten kann; wogegen etwa ein Kriegsspiel, in dem alle Heeres-massen, alle Chancen, alle Intelligenz der Führung einen vollständigensymbolischen Ausdruck fände, unter der unmöglichen Voraussetzungseiner Herstellbarkeit allerdings den physischen Kampf unnötig machenkönnte.
Die Fülle der Momente — der Kräfte, Substanzen und Ereignisse —,mit denen das vorgeschrittene Leben zu arbeiten hat, drängt auf eineVerdichtung desselben in umfassenden Symbolen, mit denen man nunrechnet, sicher, dafs dasselbe Resultat sich ergibt, wie wenn man mit derganzen Breite der Einzelheiten operiert hätte; so dafs das Resultat ohneweiteres für diese Einzelheiten gültig, auf sie anwendbar ist. Das mufsin dem Mafse möglicher werden, in dem die Quantitätsbeziehungen derDinge sich gleichsam selbständig machen. Die fortschreitende Differen-zierung unseres Vorstellens bringt es mit sich, dafs die Frage des Wie-viel eine gewisse psychologische Trennung von der Frage des Was er-fährt — so wunderlich dies auch in logischer Hinsicht erscheint. Inder Bildung der Zahlen geschieht dies zuerst und am erfolgreichsten,indem aus den so und so vielen Dingen das So und Soviel heraus-