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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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gehoben und zu eigenen Begriffen verselbständigt wird. Je feststehenderdie Begriffe ihrem qualitativen Inhalt nach werden, desto mehr richtetsich das Interesse auf ihre quantitativen Verhältnisse, und schliefslichhat man es für das Ideal des Erkennens erklärt, alle qualitativen Be-stimmtheiten der Wirklichkeit in rein quantitative aufzulösen. DieseAussonderung und Betonung der Quantität erleichtert die symbolischeBehandlung der Dinge: denn da die inhaltlich verschiedensten doch ebenin quantitativen Hinsichten übereinstimmen können, so vermögen der-artige Beziehungen, Bestimmtheiten, Bewegungen des einen ein gültigesBild für eben dieselben an einem anderen abzugeben; einfachste Bei-spiele sind etwa die Rechenmarken, die uns zahlenmäfsige Bestimmungenbeliebiger Objekte beweisend veranschaulichen, oder das Fensterthermo-meter, das uns das Mehr oder Weniger zu erwartender Wärme-empfindungen in den Zahlen der Grade anzeigt. Diese Ermöglichungvon Symbolen durch die psychologische Heraussonderung des Quantita-tiven aus den Dingen, die uns heute freilich sehr selbstverständlich, er-scheint, ist eine Geistestat von aufserordentlichen Folgen. Auch dieMöglichkeit des Geldes geht auf sie zurück, insofern es, von allerQualität des Wertes absehend, das reine Quantum desselben in numeri-scher Form darstellt. Einen ganz bezeichnenden Übergang von demqualitativ bestimmbaren zu dem quantitativ symbolischen Ausdruck bietetein Bericht aus dem alten Rufsland. Dort hätten zuerst Marderfelle alsTauschmittel gegolten. Im Laufe des Verkehrs aber hätte die Gröfseund die Schönheit der einzelnen Felle allen Einflufs auf ihre Tauschkraftverloren, jedes hätte schlechtweg nur für eines und jedem anderengleiches gegolten. Die daraus folgende alleinige Bedeutung ihrer Zahlhätte bewirkt, dafs, als der Verkehr sich steigerte, man einfach dieZipfel der Felle als Geld verwendete, bis schliefslich Lederstückchen,die wahrscheinlich von der Regierung gestempelt wurden, als Tausch-mittel kursierten. Hier ist es sehr deutlich, wie die Reduzierung aufden rein quantitativen Gesichtspunkt die Symbolisierung des Wertesträgt, auf der erst die ganz reine Verwirklichung des Geldes ruht.

Es scheint dagegen, als ob ein von vornherein nur ideales Geldhöheren wirtschaftlichen Anforderungen nicht genügte, trotzdem derMangel an Beziehung zu allen unmittelbaren Werten der die zu allengleichartige Beziehung involviert es zu besonders weiter Verbreitungeignet. Die merkwürdige Ausdehnung des Kaurigeldes, das seit 1000Jahren in einem grofsen Teile Afrikas, früher im Gebiete des indischenOzeans, prähistorisch in Europa galt, wäre kaum möglich gewesen,wenn es nicht so rein ideal wäre. Auf den tieferen Wirtschaftsstufen