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völligen Fremdheit gegen unzählige, denen wir und die uns ein Höchsteszu geben hätten — nicht nur an und für sich liegt darin eine königlicheVerschwendung, eine lässige Grofsartigkeit des Daseins, sondern jen-seits dieses Eigenwertes des Nichtgeniefsens strahlt von ihm auch aufdas, was wir nun wirklich besitzen, ein neuer, erhöhender, konzentrieren-der Reiz hinüber. Dafs von den unzähligen Möglichkeiten des Lebensgerade diese zur Wirklichkeit geworden ist, verleiht ihr einen sieghaftenTon, die Schatten der unerlösten, ungenossenen Fülle des Lebens bildenihr Triumphgeleit. Auch das, was man den Menschen gibt, zieht oftseinen Wert für sie aus dem, was man zurückbehält, ja ihnen mit Ent-schiedenheit vorenthält. Das freundliche Sich-Hingeben insbesondere anetwas Tieferstehende, verliert für diese seinen Wert, wenn es allzuweit-gehend ist, wenn man allzuwenig reserviert ist. Je mehr der Beschenkteempfindet, dafs man noch etwas für sich ist, was man ihm nicht gibt— um so bedeutsamer ist es für ihn, dafs man sich, einen Teil von sich,ihm überhaupt gibt. Und so endlich in der Bedeutung unseres Handelnsund Schaffens für uns selbst. Plötzliche, zwingende Anforderungen be-lehren uns oft, dafs wir Begabungen und Kräfte für bisher fernliegendsteAufgaben besitzen, Energien, die für immer latent geblieben wären,wenn nicht irgend eine zufällige Not sie herausgelockt hätte. Das weistdarauf hin, dafs in jedem Menschen aufser den Kräften, die er bewährt,noch eine unbestimmte Menge anderer Potenzen schlummern, dafs schliefs-lich aus jedem vieles andere hätte werden können, als tatsächlich ge-worden ist. Wenn nun das Leben von diesen vielen Möglichkeiten nureine sehr begrenzte Anzahl zur Bewährung zuläfst, so erscheinen dieseum so bedeutsamer und kostbarer, je deutlicher wir empfinden, aus wievielen sie die Auswahl darstellen, wie viele Betätigungsformen unent-wickelt bleiben und ihr Kraftquantum jenen überlassen müssen, damit siezur Entfaltung gelangen. Indem so eine Fülle an sich möglicher Be-währungen geopfert wird, damit es zu einer bestimmten komme, stelltdiese gleichsam den Extrakt eines sehr viel weiteren Umfangs vonLebensenergien dar und zieht aus der Versagtheit der Entwicklung diesereine Bedeutung und Pointiertheit, einen Ton von Erlesenheit und ge-sammelter Kraft, die sie, über die von ihr direkt erfüllte Provinz unseresWesens hinaus, zum Brennpunkt und Vertreter seines Gesamtumfangesmacht.
In diesen allgemeinen Typus der Wertbildung mag sich das Geldzunächst einreihen. Es ist sicher richtig, dafs die sonstigen Werte desGeldstoffes aufser Funktion treten müssen, damit dieser eben Geld werde;allein der Wert, den er als solches besitzt, und der ihn als solches