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funktionieren läfst, kann von denjenigen Verwertungsmöglichkeiten be-stimmt werden, auf die er verzichten mufs. Wie in allen eben be-handelten Fällen setzt sich der empfundene Wert der verwirklichtenFunktion aus ihrem positiven Inhalt und der mitwirkenden Verneintheitjeder anderen, über deren Opfer sie sich erhebt, zusammen. Nicht dafsdiese anderen Funktionen wirken, sondern dafs sie nicht wirken, ist hierdas Wirksame. Wenn dies den Wert eines Objektes bestimmt, dafs umseinetwillen ein Opfer gebracht wird, so liegt der Wert der Geldsubstanzals solcher darin, dafs ihre gesamten Verwendungsmöglichkeiten auf-geopfert werden müssen, damit sie Geld sei. Diese Wertungsart mufsnatürlich zweiseitig wirksam sein, d. h. der Geldstoff mufs auch eineWerterhöhung seiner sonstigen Nutzbarkeiten durch den Verzicht aufseine Verwertung als Geld erfahren. Wenn der Wampum der Indianeraus Muschelschalen bestand, die als Geld dienten, aber auch als Gürtelzum Schmuck getragen wurden, so finden sich diese Funktionen offenbarin reiner Wechselwirkung: auch die Bedeutung der Muscheln als Schmuckhat ganz sicher einen besonderen Oberton von Vornehjnheit dadurch er-halten, dafs man um ihretwillen auf die unmittelbar mögliche Verwen-dung als Geld verzichtete. Man kann diesen ganzen Typus als einen Falldes Seltenheitswertes ansehen. Gewöhnlich wird derselbe nur so dar-gestellt, dafs ein Objekt einem gewissen Bedürfnis entspricht, das anmehr Individuen oder in stärkerer Intensität vorhanden ist, als das ge-gebene Quantum des Objekts zu decken vermag. Wenn hier nun dieverschiedenen Bedürfnisse, denen das gleiche Objekt dienen kann,um dasselbe konkurrieren — sei es innerhalb desselben Individuums, seies zwischen mehreren Individuen — so gründet sich doch auch diesesnatürlich auf die Beschränktheit des Vorrats, die nicht gestattet, dafsjedes dieser Bedürfnisse sein Genüge finde. Wenn der Verkehrswertetwa des Getreides darauf zurückgeht, dafs nicht genug Getreide da ist,um jeden Hunger ohne weiteres zu stillen, so der des Geldstoffes darauf,dafs nicht genug davon vorhanden ist, um damit aufser dem Bedürfnis .nach Geld noch alle anderen auf ihn gerichteten zu befriedigen. So weitentfernt also, dafs der Verzicht auf anderweitige Verwertung das Metallals Geld auf eine Wertstufe mit sonst völlig unverwertbaren Stoffenherabsetzte, sehen wir jetzt gerade, dafs die möglichen, aber unverwirk-lichten Verwertungen zu dem Wert, den es als Geld hat, aufs erheb-lichste mitwirken.
Noch unmittelbarer als die so widerlegte Meinung von der Wert-losigkeit des Geldstoffes will auch die folgende uns glauben machen, dafsdas Geld kein Wert sein kann. Denkt man sich eine absolut mächtige