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Gesetze des Verkehrs selbst die Bedeutung des Metallgeldes konser-vieren. Und zwar können sie das keineswegs nur nach dem Typus derangeführten Beispiele. Als die Bank von England zwischen 1796 und1819 ihre Noten nicht mehr einlöste, betrug schliefslich die Entwertungderselben gegen Gold nur 3—5°/o; aber die Warenpreise erhöhten sichinfolgedessen um 20—50 °/o! Und wo ein Zwangskurs ausschliefslichPapier und Scheidemünze im Verkehr läfst, sind die schwerstenSchädigungen nur dadurch zu vermeiden, dafs das Agio für längerePerioden immer nur minimale Schwankungen zeigt, was eben seinerseitsnur durch genaue Eingrenzung der Papiergeldemissionen möglich ist.Diese unentbehrliche regulierende Bedeutung aber hat das Gold undhatte früher auch das Silber nicht wegen seiner Wertgleichheit mit denGegenständen, deren Austausch es vermittelt, sondern wegen seinerrelativen Seltenheit, die die Überschwemmung des Marktes mit Geldund damit die fortwährende Zerstörung derjenigen Proportion verhindert,auf der die Äquivalenz einer Ware mit einem bestimmten Geldquantumberuht. Und zwar findet die Zerstörung dieser Proportion von beidenSeiten her statt. Die übermäfsige Geldvermehrung erzeugt im Volkeeinen Pessimismus und Argwohn, infolgedessen man soweit wie möglichdes Geldes zu entraten und auf Naturaltausch oder Obligation zurück-zugreifen sucht. Indem dies die Nachfrage nach Geld vermindert, sinktfür das kursierende der Wert, der eben in der Nachfrage liegt. Danun die geldemittierende Instanz dieser Wertverringerung durch ge-steigerte Vermehrung entgegenarbeiten wird, so müssen Angebot undNachfrage immer weiter auseinanderklaffen und der circulus vitiosus derangedeuteten Gegenwirkungen den Wert solchen Geldes immer tiefersenken. Auch kann das Mifstrauen gegen die durch die staatlichePrägung erzeugte Wertung des Geldsubstrats — gegenüber der Zu-verlässigkeit des reinen Metallwertes — die Form annehmen, dafs inder späteren römischen Republik die Münze eigentlich nur im Detail-verkehr zirkulierte, der Grofsverkehr dagegen sich überwiegend desGeldes nach Gewicht bediente; nur so glaubte er gegen politischeKrisen, Parteiinteressen und Regierungseinflüsse gesichert zu sein.
Nach alledem scheint es freilich, als wären die Unzuträglichkeiteneiner durch nichts begrenzten Geldvermehrung nicht eigentlich ihr selbst,sondern nur der Art ihrer Verteilung zuzuschreiben. Nur weil das ausdem Nichts geschaffene Geld sich zunächst in einer Hand befindet undsich von da aus in ungleichmäfsiger und unzweckmäfsiger Weise ver-breitet, entstehen jene Erschütterungen, Hypertrophien und Stockungen;sie scheinen vermeidlich, wenn man einen Modus fände, der die Geld-