142
massen entweder gleichmaisig oder nach einem bestimmten Gerechtigkeits-prinzip zur Verteilung brächte. So ist behauptet worden, dafs, wennplötzlich jeder Engländer in seiner Tasche das Geld verdoppelt fände,dadurch zwar eine entsprechende Erhöhung aller Preise eintreten, die-selbe aber niemandem einen Vorteil bringen würde; der ganze Unter-schied wäre, dafs man die Pfunde, Schillinge und Pence in höherenZiffern zu rechnen hätte. Damit würde nicht nur der Einwand gegendas Zeichengeld fortfallen, sondern nun würde der Vorteil der Geld-vermehrung hervortreten, der sich auf die empirische Tatsache gründe,dafs mehr Geld immer auch mehr Verkehr, Behagen, Macht und Kulturbedeutet habe.
So wenig nun die Erörterung dieser, auf ganz unrealisierbarenVoraussetzungen ruhenden Konstruktionen um ihrer selbst willen lohnt,so führt sie doch über die Erkenntnis realer Verhältnisse, die es be-wirken, dafs die allmähliche Auflösung des Substanzwertes des Geldesniemals ihren Endpunkt völlig erreichen kann. — Nehmen wir jenenidealen Zustand als gegeben an, in dem die Vermehrung des Geldeswirklich die gleichmäfsige Erhöhung jedes individuellen Besitzes bewirkthabe, so widerspricht die eine Folgerung: dafs alles beim Alten bleibt,da alle Preise gleichmäfsig in die Höhe gingen — der anderen, die derVermehrung des Geldes eine Belebung und Erhöhung des gesamtenVerkehrs zuschreibt. Denn die Vorstellung liegt zwar verlockend nahe:die Verhältnisse der Individuen untereinander, d. h. die soziale Positioneines jeden zwischen dem darüber und dem darunter Stehenden würdenin diesem Falle ungeändert-bleiben; dagegen die objektiven Kulturgüterwürden in lebhafterer, intensiverer und extensiverer Weise produziertwerden, so dafs schliefslich die Lebensinhalte und -genüsse jedesEinzelnen, absolut genommen, mit dem sozialen Gesamtniveau gestiegenwären, ohne dafs sich in den Reichtums- oder Armutsverhältnissen eben-desselben , die sich nur durch seine Relation zu anderen bestimmen,etwas geändert hätte. Man könnte darauf hinweisen, dafs die modernegeldwirtschaftliche Kultur schon jetzt eine Reihe von Gütern — öffent-liche Einrichtungen, Bildungsmöglichkeiten, Unterhaltsmittel usw. — demArmen zugängig gemacht hat, die früher sogar der Reiche entbehrenmufste, ohne dafs dadurch die relative Stellung beider zugunsten desersteren verschoben wäre. Diese Möglichkeit: dafs die proportional aus-geteilte Geldvermehrung die objektive Kultur, also auch den Kultur-inhalt des einzelnen Lebens, absolut genommen, vermehre, während dieVerhältnisse der Individuen untereinander ungeändert bleiben — ist ansich gewifs der Erörterung wert. Sieht man aber genau zu, so ist