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jener sachliche Erfolg doch gar nicht anders zu realisieren, als dals dieGeldvermehrung — wenigstens zunächst — vermittels einer ungleich-mäfsigen Verteilung wirkt. Das Geld, ein ausschliefslich soziologisches,in Beschränkung auf ein Individuum ganz sinnloses Gebilde, kann irgendeine Veränderung gegen einen gegebenen Status nur als Veränderungder Verhältnisse der Individuen untereinander bewirken. Die gesteigerteLebhaftigkeit und Intensität des Verkehrs, die einer Geldplethora folgt,geht darauf zurück, dafs mit ihr die Sehnsucht der Individuen nachmehr Geld gesteigert wird. Der Wunsch, von dem Geld der Anderenmöglichst viel in die eigene Tasche zu leiten, ist zwar ein chronischer,er wird aber offenbar nur dann akut genug, um den Einzelnen zu be-sonderer Kraftanspannung und Emsigkeit zu führen, wenn diesem seinMinderbesitz anderen gegenüber besonders scharf und dringend ins Be-wufstsein tritt; in welchem Sinne man sagt: les affaires — c’est l’argentdes autres. Wenn die Voraussetzung jener Theorie einträte: dafs dieVermehrung des Geldquantums die Relationen der Menschen zueinanderund der Warenpreise zueinander völlig ungeändert liefse, so würde eszu solcher Anstachelung der Arbeitsenergien nicht kommen. Auch wirdjene zauberhafte Verdoppelung der Geldquanten nur dann keine Ver-änderung der Relationen mit sich bringen, wenn sie nicht auf eine be-stehende Verschiedenheit der Besitze trifft. Denn die Verdoppelungz. B. dreier Einkommen von 1000, 10000 und 100000 Mark verschiebtauch das Verhältnis ihrer Besitzer gegen den vorigen Stand sehrerheblich, da für die zweiten 1000 usw. Mark doch nicht blofs dasDoppelte der für die ersten 1000 usw. Mark beschafften Dinge gekauftwird. Es würde vielmehr auf der einen Seite etwa nur zu einer Ver-besserung der Nahrung, auf der zweiten zu einer Verfeinerung derästhetischen Kultur, auf der dritten zu gröfseren Spekulationswagnissenkommen. Unter der Voraussetzung vorangängiger absoluter Gleichheitwürden allerdings die subjektiven Niveaus ungeändert bleiben, aber auchdas objektive — während anderenfalls dieses letztere in unberechenbarerWeise alteriert würde und jedenfalls jenen gerühmten Aufschwung nurdann zeigen würde, wenn die Unterschiede im Besitz der Einzelnen ent-schiedener als vorher bestehen oder empfunden werden. .
Noch näher aber an unser Ziel reichen die Überlegungen heran,die sich an die sachliche Seite jener Theorie knüpfen: dafs die Ver-doppelung jedes Geldbesitzes deshalb alles ungeändert liefse, weil damitsogleich auch für alle Warenpreise gleichmäfsige Verdoppelung eintretenwürde. Allein diese Begründung ist irrig und übersieht eine eigen-tümliche, tief einschneidende Bestimmtheit des Geldes, die man seinen