147
Interessen, Bewegungen und Normen an sich ausbilden, die sich ge-legentlich denen der damit symbolisierten Objekte ganz entgegengesetztverhalten. Das privatwirtschaftliche Bestreben, das sich an das Geldknüpft, kann das sozialwirtschaftliche, schliefslich an die zu produzieren-den und zu konsumierenden Güter gebundene, so lange fördern, wie essozusagen blofs Bestreben bleibt — während die schliefsliche Erreichtheitseines Zweckes die des sozialen unterbinden kann. — Am häufigsten undentschiedensten wird sich dieser Typus an Fällen verwirklichen, woImpulse des Gefühls ein absolutes Ziel erstreben, ohne sich darüber klarzu sein, dafs sich alle erhoffte Befriedigung nur an die relative An-näherung an dieses knüpft, um bei restloser Erreichung vielleicht sogarin ihr Gegenteil umzuschlagen. Ich erinnere an die Liebe, die durchden Wunsch nach innigster und dauernder Vereinigung ihren Inhalt undihre Färbung erhält, um nur allzuoft, wenn jene erreicht ist, diesesbeides zu verlieren; an politische Ideale, die dem Leben ganzer Genera-tionen seine Kraft, seinen geistig-sittlichen Schwung verleihen, aber nachihrer Realisierung durch diese Bewegungen durchaus keinen idealen Zu-stand, sondern einen solchen von Erstarrung, Philistrosität und prak-tischem Materialismus hervorrufen; an die Sehnsucht nach Ruhe undUngestörtheit des Lebens, die seinen Mühen und Arbeiten das Ziel gibt,um gerade nachdem sie gewonnen ist, so oft in innere Leere undUnbefriedigung auszugehen. Ja es ist schon eine Trivialität geworden,dafs selbst das Glücksgefühl, obgleich ein absolutes Ziel unserer Be-strebungen, doch zu blofser Langeweile werden müfste, wenn es wirklichals ewige Seligkeit realisiert würde; obgleich also unser Wille nur soverläuft, als ob er an diesem Zustand münden sollte, so würde derselbeals erreichter ihn selbst dementieren und erst der Zusatz seines ge-flohenen Gegensatzes, des Leidens, kann ihm seinen Sinn erhalten.Näher kann man diesen Entwicklungstypus so beschreiben. Die zweck-mäfsige Wirksamkeit bestimmter, vielleicht aller Elemente des Lebensist davon abhängig, dafs neben ihnen entgegengesetzt gerichtete be-stehen. Die Proportion, in der ein jedes und sein Gegenteil geeignetZusammenwirken, ist natürlich eine veränderliche, und zwar manchmalin dem Sinne veränderlich, dafs das eine Element stetig zunimmt, dasandere stetig abnimmt; die Richtung der Entwicklung ist also einesolche, als ob sie auf völlige Verdrängung des einen durch das anderehinzielte. Allein in dem Augenblick, in dem dies einträte und jederBeisatz des zweiten Elementes völlig verschwände, wäre auch die Wirk-samkeit und der Sinn des ersteren lahmgelegt. Das tritt etwa bei demGegensatz der individualistischen und der sozialistischen Gesellschafts-
10 *