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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Tauschprozesses aus den einzelnen realen Tauschen und ihre Ver-körperung in einem objektiven Sondergebilde kann erst eintreten, wennder Tausch etwas anderes geworden ist als ein privater Vorgangzwischen zwei Individuen, der völlig in den individuellen Aktionen undGegenaktionen dieser beschlossen liegt. Dies andere und weitere wirder, indem der Tauschwert, den die eine Partei gibt, seine Bedeutung fürdie zweite nicht unmittelbar, sondern als blofse Anweisung auf andere,definitive Werte enthält eine Anweisung, deren Realisierung von derGesamtheit des Wirtschaftskreises oder von der Regierung als der Ver-tretung desselben abhängt. Indem der Naturaltausch durch den Geld-kauf ersetzt wird, tritt zwischen die beiden Parteien eine dritte Instanz:die soziale Gesamtheit, die für das Geld einen entsprechenden Realwertzur Verfügung stellt. Der Drehpunkt der Wechselwirkung jener beidenrückt damit weiter fort, er entfernt sich aus der unmittelbaren Ver-bindungslinie zwischen ihnen und verlegt sich in das Verhältnis, dasjeder von ihnen als Geldinteressent zu dem Wirtschaftskreise hat, derdas Geld akzeptiert und dies durch die Prägung seitens seiner höchstenVertretung dokumentiert. Hierauf beruht der Kern von Wahrheit inder Theorie, dafs alles Geld nur eine Anweisung auf die Gesellschaftist; es erscheint gleichsam als ein Wechsel, in dem der Name des Be-zogenen nicht ausgefüllt ist, oder auch: in dem die Prägung die Stelledes Akzeptes vertritt. Wenn man gegen die Lehre, die auch im Metall-gelde einen Kredit finden will, eingewendet hat, dafs der Kredit docheine Verbindlichkeit begründe, die Metallgeldzahlung aber jede Ver-bindlichkeit löse, so ist übersehen, dafs, was für den Einzelnen Lösungist, für die Gesamtheit Bindung sein kann. Die Solvierung jeder privatenVerbindlichkeit durch Geld bedeutet eben, dafs jetzt die Gesamtheitdiese Verpflichtung gegen den Berechtigten übernimmt. Die Ver-bindlichkeit aus einer naturalen Leistung ist doch nur auf zweierleiWeise aus der Welt zu schaffen: entweder durch direkte Gegenleistungoder durch Anweisung auf eine solche. Letztere hat der Geldbesitzerin der Hand, und indem er sie an denjenigen, der vorgeleistet hat, über-gibt, weist er ihn an einen vorläufig anonymen Produzenten, der aufGrund seiner Zugehörigkeit zu dem betreffenden Wirtschaftskreise jeneerforderte Leistung gegen eben dieses Geld auf sich nimmt. Der Unter-schied zwischen dem gedeckten und dem ungedeckten Papiergeld, denman in Beziehung zu dem Kreditcharakter des Geldes gesetzt hat, istdabei ganz irrelevant. Man hat gemeint, nur uneinlösbares Papier seiwirklich Geld (papier-monnaie), wogegen einlösbares nur eine Anweisungauf Geld sei (monnaie de papier); dagegen ist nun wieder geltend ge-ll*