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macht, dals dieser Unterschied keine Bedeutung für den Verkehrzwischen Käufer und Verkäufer habe, denn in diesem funktioniere auchdas gedeckte Papier nicht als Zahlungsversprechen, sondern als definitiveZahlung, im Unterschiede etwa gegen den Check, der auch zwischenKäufer und Verkäufer nur ein Versprechen sei. Diese ganze Frage-stellung dringt nicht zu dem soziologischen Sachverhalt hinunter; fürdiesen ist kein Zweifel, dafs auch das Metallgeld ein Versprechen istund dafs es sich insofern von dem Check nur durch die Gröfse desKreises unterscheidet, der dessen Einlösung verbürgt. Das gemeinsameVerhältnis von Geldbesitzer und Verkäufer zu einem sozialen Kreise —der Anspruch jenes an eine in diesem Kreise zu prästierende Leistung unddas Vertrauen des anderen, dafs dieser Anspruch honoriert werden wird
— ist die soziologische Konstellation, in der sich der Geldverkehr imGegensatz zum Naturalverkehr vollzieht.
Tatsächlich stecken in dem Metallgeld, das man als den absolutenGegensatz des Kreditgeldes aufzufassen pflegt, zwei in eigentümlicherWeise verschlungene Kreditvoraussetzungen. Zunächst ist innerhalb destäglichen Verkehrs die Prüfung der Münze auf ihr Schrot und Kornnur ausnahmsweise tunlich. Ohne ein Vertrauen des Publikums zu deremittierenden Regierung oder, gegebenen Falls, zu denjenigen Personen,die den Realwert der Münze gegenüber ihrem Nominalwert festzustellenimstande sind, kann es auch zu einem Bargeldverkehr nicht kommen.Die Aufschrift der Malteser Münzen: non aes sed fides —■ bezeichnetganz vortrefflich den integrierenden Zusatz des Glaubens, ohne den dienoch so vollwichtige Münze ihre Funktion in den weitaus meisten Fällennicht ausüben kann. Gerade die Mannigfaltigkeit, oft Entgegengesetzt-heit der Gründe für die Akzeptierung des Geldstücks zeigt, dafs nichtderen objektive Beweiskraft das Wesentliche ist: in einigen Gegendenvon Afrika mufs der Maria-Theresia -Taler weifs und rein sein, inanderen gerade fettig und schmutzig, damit man ihn als echt annehme!Es mufs aber, zweitens, der Glaube vorhanden sein, dafs das Geld, dasman jetzt einnimmt, auch zu dem gleichen Wert wieder auszugeben ist.Auch hier ist das Unentbehrliche und Entscheidende: non aes sed fides
— das Vertrauen zu dem Wirtschaftskreise, dafs er uns das fortgegebeneWertquantum für den dafür erhaltenen Interimswert, die Münze, ohneSchaden wieder ersetzen werde. Ohne so nach zwei Seiten hin Kreditzu geben, kann niemand sich der Münze bedienen; dieser doppelteGlaube erst verleiht der schmutzigen, vielleicht kaum erkennbarenMünze das bestimmte Wertmafs. Wie ohne den Glauben der Menschenaneinander überhaupt die Gesellschaft auseinanderfallen würde, — denn