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tretung von absoluter Intensität gewonnen hat. Wenn man hergebrachter-weise unter die Hauptdienste des Geldes rechnet, dals es Wertaufbewah-rungs- und Werttransportmittel ist, so sind dies nur die groben undsekundären Erscheinungen jener grundlegenden Funktion. Sie aber hatersichtlich gar keine innere Beziehung zu dem Gebundensein des Geldesan eine Substanz, ja an ihr tritt am empfindbarsten hervor, dafs dasWesentliche des Geldes Vorstellungen sind, die, weit über die eigeneBedeutung seines Trägers hinaus, in ihm investiert sind. Je gröfser dieRolle des Geldes als Wertkondensator wird — und das wird sie nichtdurch Wertsteigerung seines einzelnen Quantums, sondern durch die Er-streckung dieser seiner Funktion auf immer mehr Objekte, durch dieVerdichtung immer verschiedenartigerer Werte in seiner Form — destoweiter wird es von der notwendigen Bindung an eine Substanz fort-rücken; denn in ihrer mechanischen Immergleichheit und Starrheit mufsdiese der Fülle, dem Wechsel, der Mannigfaltigkeit der Werte i mm erinadäquater werden, die auf ihre Vorstellung projiziert und in ihr kon-densiert werden.
Man könnte dies als eine steigende Vergeistigung des Geldes be-zeichnen. Denn das Wesen des Geistes ist, der Vielheit die Form derEinheit zu gewähren. In der sinnlichen Wirklichkeit ist alles neben-einander, im Geist allein gibt es ein Ineinander. Vermittels des Begriffesgehen dessen Merkmale, vermittels des Urteils gehen Subjekt und Prä-dikat in eine Einheit ein, zu der es in der, Unmittelbarkeit des Anschau-lichen gar keine Analogie gibt. Der Organismus, als die Brücke vonder Materie zum Geist, ist freilich ein Ansatz dazu, die Wechselwirkungschlingt seine Elemente ineinander, er ist ein fortwährendes Streben nacheiner ihm unerreichbaren vollkommenen Einheit. Erst im Geiste wirddie Wechselwirkung der Elemente ein wirkliches Sichdurchdringen. DenWerten bereitet die Wechselwirkung im Tausche diese geistige Einheit.Darum kann das Geld, die Abstraktion der Wechselwirkung, an allemRäumlich - Substanziellen nur ein Symbol finden, denn das sinnlicheAufsereinander desselben widerstrebt seinem Wesen. Erst in dem Mafs,in dem die Substanz zurücktritt, wird das Geld wirklich Geld, d. h. wirdes zu jenem wirklichen Ineinander und Einheitspunkte wechselwirkenderWertelemente, der nur die Tat des Geistes sein kann.
Wenn so die Leistungen des Geldes sich teils neben seiner Substanzteils unabhängig von ihrem Quantum vollziehen können, und wenn des-halb sein Wert sinken mufs — so bedeutet dies durchaus nicht, dafs derWert des Geldes überhaupt, sondern nur dafs der des einzelnen kon-kreten Geldquantums herabgesetzt ist. Beides fällt so wenig zusammen,